Polyommatus coridon
Lepiforum — Bestimmung
von Schmetterlingen
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Archiv 7 zu Forum 1

Re: Meinung von John Langmaid und Colin Plant
Antwort auf: Meinung von John Langmaid ()

Hallo Tina,

vielen Dank für Deine Antworten und Mühen!

ja, den Autoren der Erstbeschreibung war ich auch bereits auf die Pelle gerückt und habe um ein Statement bzw. Rat gebeten. Die Antwort von Colin Plant, der ja die Erstbeschreibung verfasst hat und folglich vielleicht noch etwas mehr in der Materie steckt, lautete, das es "almost certainly" T. langmaidi sei. Nun, das ist natürlich erstmal ernüchternd - wird aber für mich durch die Begründung relativiert: Er meint, dass er sich keine sichere Zuordnung zutraut, weil er nicht weiß, ob es irgendwo "ähnliche und bisher unentdeckte Arten geben könnte". Oh je..., ohne jemandem und der gebotenen Vorsicht zu nahe treten zu wollen, aber das ist ein absolutes Totschlagargument, mit dem sich im Grunde jeder Fund in Frage stellen lässt. Wer weiß schon, was bislang alles unentdeckt ist. Wie soll man Ausnahmeerscheinungen oder auch normale Arten grundsätzlich zuordnen können? - es könnte ja schließlich sein, dass zwei Täler weiter eine Zwillingsart existiert, die zufällig noch niemandem aufgefallen ist.

Ich meine, es stellt sich hier die Frage, wie man mit Funden grundsätzlich umgeht. Das Sammeln und Bestimmen anhand von GU oder Barcoding ist doch auch nur bedingt tauglich. Das hat mir zumindest der durchaus schwierige Prozess bei meinen Acleris comariana oder Aethes rubigana deutlich gezeigt. Und? Muss deshalb die Faunistik für diese Arten ausfallen? Ich bin ja nun seit fast 30 Jahren in sogenannten Seltenheitenkommissionen zur Beurteilung seltener Vogelnachweise tägig. Vielleicht ist hier die Ornithologie als Vergleichswissenschaft geeignet. Auch dort galten lange nur diejenigen Nachweise als valide, die geschossen auf dem Tisch lagen - der "Wincester-Fieldguide" eben. Vögel, die "nur" beobachtet wurden, fanden oft genug keinen Eingang in die Literatur oder wurden abwechselnd verworfen und dann wieder hervorgekramt, um dann wieder verworfen zu werden usw. Die ernsthafte Beurteilung aufgrund von Beschreibungen setzte erst später ein und es entwicklelte sich eine Kultur der Beobachtungsehrlichkeit, die natürlich Grundvoraussetzung ist. Diese aber führte dazu, dass der Reiz des genauen Beobachtens der lebendigen Tiere einsetzte! Es wurden Nachweise komplizierter und auch sehr seltener Arten anerkannt, die "nur" gesehen wurden. Dies ging einher mit einem massiven Zuwachs an Kenntnissen der verschiedenen Gefiederformen, Mauser, Variationen, Strukturmerkmale, Lautäußerungen usw. Dieser neue Ansatz wurde in den 1980'er Jahren als der "new approach" bezeichnet und plötzlich erkannte man, dass sich z.B. Buschspötter von Steppenspöttern unterscheiden lassen und zwar nicht nur anhand von Bälgen - sondern aufgrund von sicht- und beschreibbaren Merkmalen. Fotos spielten dabei eine maßgebliche Rolle, denn der lebendige Vogel unterscheidet sich nunmal von einem Balg. Ein neues und für die Bestimmung entscheidendes Kriterium tauchte auf: der "Jizz" - den wir auf Deutsch zumeist als "Habitus" bezeichnen. Diesen zu kennen, ist zumeist schon der Weg zur Bestimmung - ein Baumpieper fliegt nunmal anders als ein Wiesenpieper.

Im Lepiforum, mit seiner unglaublichen Masse an Fotomaterial, sehe ich genau diesen Weg bei der Schmetterlingsbestimmung beschritten! Lebendfalterbestimmung ist etwas grundsätzlich anderes, als die Bestimmung genadelter Tiere oder derer Genitalien. Sie ergänzen sich, sind aber unterschiedliche Disziplinen... Die hierbei entscheidende Rolle der Digi-Fotografie wurde in diesem Forum ja schon häufig angesprochen. Die Folge sind Fotobelege anstelle von genadelten Tieren und Lebendbeobachtungen, die nicht zwingend gesammelt werden müssen. Vieles erinnert mich an die Stimmung, die ich vor 30 Jahren unter Ornis zu spüren war. Vor diesem Hintergrund möchte ich der Falterkunde einen ähnlichen Aufschwung, eine ebenso ähnliche Veränderung der Sammlungen bzw. "Sammelleidenschaft" und einen ebenso großen verschriftlichten Zuwachs von Zeichnungs-Detailmerkmalen vorhersagen.

Was ich damit sagen möchte: Für mich sieht der Falter wie T. langmaidi aus. Die Merkmale passen perfekt zu den wenigen Individuen, die zur Erstbeschreibung herangezogen wurden. Es gibt keine nennbaren alternativen Arten - es ist aber auch keine Überprüfung der Genitalien möglich - gut, dann würde man in der Vogelkunde den Nachweis wahrscheinlich als "mit Merkmalen von T. langmaidi" ablegen - so, wie man eine schicke Iberienschafstelze ablegt, die nicht gerufen hat. Auf diese Weise wäre der Nachweis eingeordnet und bewertet. Als solchen könnte man ihn nach Veröffentlichung zitieren und weiter führen. Und mal ehrlich: Die Begründung, dass man eine phänotypisch einwandfrei zuzuordnende Art in seinem Status einschränkt, nur weil es vielleicht irgendwo eine weitere Art mit diesen Merkmalen geben könnte, habe ich noch nie gehört und ich wage zu bezweifeln, dass sie sinnvoll ist. Es gibt ja nun auch bei uns zahlreiche Beispiele, wo es so gelaufen ist... Janthe-/ Janthina, Weizen-, Didymaeule usw. Natürlich hat man vor der Trennung der Arten die Nachweise aufgeschrieben. Es wäre doch groteskt gewesen, wenn man gesagt hätte - "neeee, lass mal sein, da könnte es noch eine zweite Art irgendwo geben..." Wenn sie dann doch, wie in diesen Fällen, auftaucht, kann man mit den alten Nachweisen entsprechend umgehen. Sind Belege da, werden sie geprüft, sie sie nicht da, ist es Weizeneule spec.

Ich werde mir jedenfalls T. langmaidi in mein Tagebüchlein schreiben und die Art wird Eingang in meine Lüneburger Artenliste finden. Wenn es dann irgendwann eine zweite Bamubuswickler-Art geben sollte, dann wird der Zusatz Bambuswickler spec. erfolgen. Aber auch dann, werde ich mich noch über meinen Fund freuen :-)

An der Fundstelle habe ich seit dem Fangtag 2016 nicht mehr gefangen, das muss ich dieses Jahr wohl mal nachholen.

Ich hoffe, ich habe niemanden gelangweilt, allen ein schönes Wochenende!

Frank

Beiträge zu diesem Thema

drollige Altlast... Ähnlichkeit mit Tetramoera langmaidi *Foto* Bestimmungshilfe
Uiuiuiuiui.....
Meinung von John Langmaid
Re: Meinung von John Langmaid und Colin Plant
Wie gehen wir damit um?
Re: Wie gehen wir damit um? Statement aus dem Vereinsvorstand.
Zur Ergänzung, Antwort von Boyan Zlatko
Bestechender Text dazu ...
Re: Gibt es den Falter noch? -GU? Liebe Grüße! Horst *kein Text*
Re: gibt es nicht, ok. LG Horst *kein Text*