Polyommatus coridon
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Forum 2: Alles ausser Bestimmungsanfragen

Euphydryas aurinia und Mahd - mal wieder :) *Foto*

Hallo zusammen,

in den vergangenen Jahren habe ich mich intensiver mit der Thematik "Raupengespinste des Goldenen Scheckenfalters und verschiedene Mahdtechniken" auseinander gesetzt und auch hier im Lepiforum den ein oder anderen Beitrag dazu verfasst. 2015 wurde dazu auch eine Abschlussarbeit mit relativ aufschlussreichen Ergebnissen absolviert. Quintessenz dieser Arbeit war, dass die Larven die Mahd unbeschadet überstehen, aber über den Einfluss weiterer Arbeitsgänge (Zetten, Schwaden, Abräumen) wenig bekannt ist. Im Winter hatte ich daher mehrmals in den gemähten Flächen nach Raupen gesucht - erfolglos. Dies ließ mich schon etwas an meinen zuvor formulierten Hypothesen zweifeln. Daher erfolgte nun bei sonnigen 15 °C ein weiterer Versuch in einem gut besiedelten Niedermoorgebiet im württembergischen Allgäu. Im Sommer sind in diesem Gebiet zwischen 50 und 100 Raupengespinsten zu finden, die sich auf einen mageren Bereich mit mineralischen Kuppen und Übergängen zu Borstgrasrasen konzentrieren. Läuft man dort in langsamer Geschwindigkeit über die komplett gemähte Fläche sieht man erstmal - nichts. Erst wenn man sich von der Vertikalen in die Horizontale begibt, eröffnet sich ein völlig neuer Einblick in das Habitat. Plötzlich werden überall Raupenhäute, Raupen und Raupenansammlungen sichtbar, die sich auf trockenen Blättern oder Halmen sonnen oder an den bereits wieder austreibenden Pflanzen des Teufelsabbiss fressen. In kurzer Zeit fand ich auf diese Weise weit über 100 Raupen, die sich meist in kleinen Grüppchen von 2-5 Individuen aufhielten. Nur einmal gelang der Fund einer größeren Raupenansammlung, die wohl einem intakten Überwinterungsgespinst entstammte. All die anderen Raupen wurden wahrscheinlich bei der Mahd auseinander gerissen, da die Gespinste erfasst wurden und überwinterten zumeist in kleinen Gruppen. Hiervon zeugen zahlreiche kleinere Gespinste, die Kot- und Häutungsreste enthielten. Ich vermute daher, dass ein gewisser (relativ großer) Anteil der Raupen die verschiedenen Arbeitsschritte der Mahd überlebt und in kleineren Gruppen überwintert hat. Die Anzahl gefundener Larven dürfte ausreichend sein, um die Population langfristig zu erhalten. Die Mahd dürfte damit kein entscheidender Gefährdungsfaktor sein. In einer etwas weiter entfernten Brache wurde zudem keine Larven gefunden. Wenn man sich hier den Streufilz anschaut, ist klar wie sich die mikroklimatischen Bedingungen durch die Brache verändern und den Raupen das Sonnen und die Nahrungsaufnahme deutlich erschwert wird.

Die erfolgreiche Suche gelang übrigens nur in diesem Bereich mit relativ vielen Gespinsten. In einem anderen Gebiet, in dem die Gespinste nur vereinzelt und über eine größere Fläche verteilt waren, war die Suche äußerst schwierig. Dies ist aber auch nachvollziehbar, wenn man die doch relativ einfache Suche nach Gespinsten anhand der blauen Blütenköpfe des Teufelsabbiss mit der doch sehr langsamen und kleinflächigen Suche nach Präimaginalstadien vergleicht.

In der Folge nun noch ein paar Bilder dazu:

Gemähte Habitatfläche, Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, NSG Hermannsberger Weiher, 502 m, 14. März 2017, Freilandfoto: Thomas Bamann

Die selbe Fläche im Frühsommer zur Flugzeit von E. aurinia von der anderen Seite aus aufgenommen:

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, NSG Hermannsberger Weiher, 502 m, 16. Mai 2014, Freilandfoto: Thomas Bamann

Und die Fläche nochmal im Spätsommer zur Gespinstzeit (der Grad der Verschilfung täuscht, er ist relativ gering):

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, NSG Hermannsberger Weiher, 502 m, 17. August 2014, Freilandfoto: Thomas Bamann

Die mineralische Kuppe ist gut mit Gespinsten belegt, auch wenn Teufelsabbiss aufgrund der Nährstoffarmut eher kleinwüchsig ist. Hier existieren auch Vorkommen von Herminium monorchis:

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, NSG Hermannsberger Weiher, 502 m, 14. März 2017, Freilandfoto: Thomas Bamann

Raupengespinste oder deren Reste fanden sich weit verteilt und ließen sich meist wenigen, vereinzelten Raupen zuordnen:

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, NSG Hermannsberger Weiher, 502 m, 14. März 2017, Freilandfoto: Thomas Bamann

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, NSG Hermannsberger Weiher, 502 m, 14. März 2017, Freilandfoto: Thomas Bamann

Die Raupen sonnen sich meist auf trockenen Blättern oder Grashalmen, nur einmal konnte eine große Ansammlung überwinterter Raupen beobachtet werden:

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, NSG Hermannsberger Weiher, 502 m, 14. März 2017, Freilandfoto: Thomas Bamann

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, NSG Hermannsberger Weiher, 502 m, 14. März 2017, Freilandfoto: Thomas Bamann

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, NSG Hermannsberger Weiher, 502 m, 14. März 2017, Freilandfoto: Thomas Bamann

Benachbarte Brachen sind mikroklimatisch komplett verschieden zu den gemähten Flächen und dürften unter dem dichten Streufilz vor allem feucht-kühle Verhältnisse beinhalten:

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, NSG Hermannsberger Weiher, 502 m, 14. März 2017, Freilandfoto: Thomas Bamann

Viele Grüße Thomas

Beiträge zu diesem Thema

Euphydryas aurinia und Mahd - mal wieder :) *Foto*
(wieder) ein toller Beitrag! Danke Thomas! *kein Text*
Re: Euphydryas aurinia und Mahd - mal wieder :)
Re: Euphydryas aurinia und Mahd - mal wieder :)