Polyommatus coridon
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Re: Gibt es noch die Sammler seltener Arten?

Hallo Volker,

Mein Ausgangspunkt waren eben die Meldungen, die ich schon hier im Forum getätigt hatte (z.B. Boloria euphrosyne in der Eifel), möglicherweise das letzte Vorkommen dort, wo ich 2015 2 Exemplare fand und 2016 eines. Also an der Extinktionsschwelle. Wenn da nun einer oder was weiß ich wie viele von den Typen es noch gibt kommt und das ein oder andere Exemplar entnimmt, wars das eben mit diesem Vorkommen. Und das aufgrund meiner Angabe hier im Forum (in 30 Jahren ist diese ja immer noch abrufbar)

B. euphrosyne ist genau so eine Art, die man über Individuenschutz nicht halten wird können. Sie benötigt magere Kahlschläge mit Veilchen-Vorkommen in schütterer Vegetation, die in Zeiten des "Naturnahen Waldbaus" nicht mehr oder nur in zu geringem Umfang entstehen. Bevor hier nicht ein Umdenken im Naturschutz (behördlich und Verbände) und beim Forst geschieht, wird diese Art weiter zurückgehen und wohl auch in der Eifel aussterben.

Bei Tagfaltern halte ich den wissenschaftlichen Wert von neueren Sammlungsbelegen für vernachlässigbar zumal es diese für die Vergangenheit in rauen Mengen gibt. Bei uns im Verein geht aufgrund von Todesfällen alle zwei Jahre eine Privatsammlung in die Landessammlung. Wer will die den noch haben?

Über die Ansprüche, Verbreitung und Gefährdung von Artengruppen wie C. hyale/alfacariensis, M. athalia/britomartis/aurelia, P. argus/argyrognomon/idas, P. alveus/serratulae/armoricanus, Z. lonicerae/trifolii/viciae wüssten wir nicht viel, wenn diese nicht gesammelt und genitalbestimmt worden wären. Bei L. sinapis/juvernica ist das noch heute so. Außerdem verfügt man dann über ein nachprüfbares Belegexemplar, das Verwechslungen ausschließt. Es gibt so viele nicht mehr nachprüfbare Falschmeldungen, die die faunistische Forschung deutlich erschweren können.

Und was glaubst du, wie die großen Grundlagenwerke der Bundesländer zustande gekommen sind? Dahinter stehen häufig große Sammlungen, die ausgewertet wurden. Sie dokumentieren in vielen Fällen das Aussterben/Verschwinden von Arten aus bestimmten Regionen, die ohne Belege in heutiger Zeit als wenig glaubhaft abgetan werden würden. Die Sammlungen von heute werden genau dasselbe in 50 oder 100 Jahren tun. Die alten Nachweise belegen doch erst den Rückgang dieser Arten und liefern die Argumentationsgrundlage für Förderung und Schutz der Arten.

Denke das Sammeln von Tagfaltern und das Einsetzen für deren Schutz geht einfach nicht unter einen Hut. Das entnehmen von Belegexemplaren sollte man den Wissenschaftlern überlassen und Privatsammlungen schlichtweg ächten. Diese erschweren die Naturschutzarbeit, weil man, um diese fernzuhalten, alles geheim halten muss und die Bevölkerung nicht mitnehmen kann.
Deswegen stören mich jedwede relativierenden Äußerungen zur Entnahme durch Privatleute. Diese liefern den schwarzen Schafen nur eine Rechtfertigung.

Auch das halte ich für falsch. Man muss vor allem die Privatsammler mitnehmen, denn von ihren Daten lebt der Naturschutz. Derartige Regionalfaunen sind sehr wertvoll, wenn sie systematisch geführt werden. Und den persönlichen Jagd-, Sammel- und Sortiertrieb sollte man dem Einzelnen auch zugestehen, denn erst daraus entsteht auch die Begeisterung und die intensive Beschäftigung mit der Materie. Das was Wissenschaftler leisten können, ist nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Meist sind es 1-2 Sammeltouren pro Jahr; nicht vergleichbar mit der regionalen Sammeltätigkeit von Privatpersonen. Und wie bereits in meiner ersten Antwort geschrieben, darf man Nachweise seltener Arten nicht geheim halten, man muss sie den richtigen Personen mitteilen.

Mal angenommen jemand hat mit aus einer regionalen Population entnommenen Exemplaren eine vom Aussterben bedrohte Art wo "angesalbt",wo diese durch falsches Habitatmanagement ausgestorben ist, diese hält sich ein paar Jahre und wird dann durch staatlich geförderte Pflegemaßnahmen erhalten. Besser kanns doch nicht laufen, oder?

Und woher wissen wir, dass die Exemplare aus einer regionalen Population stammen? So etwas muss wissenschaftlich begleitet und langjährig beobachtet werden. Vor einer Wiederausbringung muss meist erst großflächig Habitat geschaffen werden. Es genügt nicht, einfach Individuen in ein 1-2 ha großes Resthabitat zu setzen und dann am besten noch jährlich nachzubesetzen. Wer so denkt, hat die Ansprüche unserer Tagfalterarten nicht verstanden.

Viele Grüße Thomas

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