Polyommatus coridon
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Re: Gibt es noch die Sammler seltener Arten?

Hallo Volker, hallo Thomas,


B. euphrosyne ist genau so eine Art, die man über Individuenschutz nicht halten wird können. Sie benötigt magere Kahlschläge mit Veilchen-Vorkommen in schütterer Vegetation, die in Zeiten des "Naturnahen Waldbaus" nicht mehr oder nur in zu geringem Umfang entstehen. Bevor hier nicht ein Umdenken im Naturschutz (behördlich und Verbände) und beim Forst geschieht, wird diese Art weiter zurückgehen und wohl auch in der Eifel aussterben.

--> Da gehe ich vollkommen da cort, wir werden in den nächsten Jahren vor allem die Lichtwaldarten nicht mehr halten können. Neben B. euphrosyne betrifft das eine Menge an anderen Arten wie Euphydryas maturna, Zygaena osterodensis, Lopinga achine, Eriogaster catax (ja im Steigerwald und im Grabfeld eine Art der Mittelwaldhiebe) und so weiter. Besonders beim Forst ist damit in den meisten Fällen nicht zu rechnen, besonders nicht wenn noch alte Förster am Ruder sitzen. Da gehen meist wirtschaftliche Aspekte vor. Nur über den Vertragsnaturschutz ließe sich da was machen.

Über die Ansprüche, Verbreitung und Gefährdung von Artengruppen wie C. hyale/alfacariensis, M. athalia/britomartis/aurelia, P. argus/argyrognomon/idas, P. alveus/serratulae/armoricanus, Z. lonicerae/trifolii/viciae wüssten wir nicht viel, wenn diese nicht gesammelt und genitalbestimmt worden wären. Bei L. sinapis/juvernica ist das noch heute so. Außerdem verfügt man dann über ein nachprüfbares Belegexemplar, das Verwechslungen ausschließt. Es gibt so viele nicht mehr nachprüfbare Falschmeldungen, die die faunistische Forschung deutlich erschweren können.

--> da stimme ich vollkommen überein

Die Sammlungen von heute werden genau dasselbe in 50 oder 100 Jahren tun. Die alten Nachweise belegen doch erst den Rückgang dieser Arten und liefern die Argumentationsgrundlage für Förderung und Schutz der Arten.

--> Dafür braucht man aber meines Erachtens keine Sammlungen mehr, außer es sind Arten die nur über die Genitalüberprüfung laufen können. Die Digitalfotografie ist hier glaub ich die bessere Alternative. Ein Foto der Art und des Habitats ermöglichen einem eine viel direktere Aussage, zumal man heute im Vergleich zu früher den Ist-Zustand des Habitats genauer durch die Fotografie aufzeigen kann das über mehrere Jahre hinweg.

Und wie bereits in meiner ersten Antwort geschrieben, darf man Nachweise seltener Arten nicht geheim halten, man muss sie den richtigen Personen mitteilen.

--> Aber da entsteht doch oft das Problem, wer sind die richtigen Ansprechpartner, haben diese auch eine Ahnung von der Materie?! Ich habe oft erlebt, dass man vor allem beim Tagfalterschutz auf taube Ohren stößt, zumal Orchideen und Vögel oft eine viel größere Lobby haben. Da hört man dann Aussagen wie: da fliegen doch viele Bläulinge warum müssen wir den jetzt schützen (P. damon soll erhalten werden und die Person sah zahlreiche P. icarus und P. coridon). Außerdem sind die Leute in den Naturschutzbehörden oft überfordert weil zu wenig Personal zur Verfügung steht.

Und woher wissen wir, dass die Exemplare aus einer regionalen Population stammen? So etwas muss wissenschaftlich begleitet und langjährig beobachtet werden. Vor einer Wiederausbringung muss meist erst großflächig Habitat geschaffen werden. Es genügt nicht, einfach Individuen in ein 1-2 ha großes Resthabitat zu setzen und dann am besten noch jährlich nachzubesetzen. Wer so denkt, hat die Ansprüche unserer Tagfalterarten nicht verstanden.

--> am besten sieht man dies aktuell an den vielen anscheinend angesalbten Populationen von Parnassius apollo, da merkt man das oft Leute am Werk sind, welche die Ansprüche der Art nicht zu kennen scheinen. Aber auch bei wissenschaftlich begleuteten Wiederansiedluingen sollte man den Kosten-Nutzen-Faktor nicht außer acht lassen. Zum Beispiel finde ich die Wiederansiedelung von Euphydryas aurinia in Schleswig Holstein zu diesen hohen Kosten einen absoluten Nonsens.

Viele Grüße,

Oliver