Polyommatus coridon
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Chazara-/Hipparchia-Raupensuche in Thüringen *Foto*

Im letzte Maidrittel machte ich auf dem Nachhauseweg aus Zentralthüringen einen kurzen Schwenk über die südthüringische Kuppenrhön. Ich kenne das Gebiet schon seit den 90ern, es ist "berühmt" u.a. wegen seiner großen Vorkommen der Berghexe (Chazara briseis, Satyrinae) bzw. wegen seiner modellhaften, vergleichsweise riesigen Steintrift-Schafhutungen.
Die Berghexe kommt dort an verschiedenen Orten in teils guten Beständen vor. Diese Populationen schwanken stärkenmässig je nach Jahresklima, sind aber so vital/vagil, dass ich in den letzten Jahren sogar die Etablierung einer neuen kleinen Subpopulation mitverfolgen konnte.

Allen Habitate der Art dort sind gemeinsam Felsausbisse / Felsbänder in relativ steilen süd- bis südwestexponierten Muschelkalk-Geröllhalden. Auf größeren Habitatflächen lassen sich leicht 20-30 (50-100) Berghexen-Falter beobachten, in kleineren hochwertigen Habitate rund 5-10 Tiere.
Die Rostbinde (Hipparchia semele) kommt überall in C. briseis-Habitaten vor, ist dort aber sehr viel häufiger und ist zudem auch nicht nur an Extremhabitate gebunden.

Ich stieg rund 2 Stunden vor Dämmerung durch die für eine Raupensuche geeigneten Geröllhänge, wobei ich besonders auf Bestände der Aufrechten Trespe (Bromus erectus) auf ausreichend offenen Steinböden achtete. Dabei wurden u.a. Raupen von Malacosoma castrensis (zahlreich, polyphag), Rhagades pruni und Saturnia pavonia (an Krüppelschlehen) gefunden.
Nach Anbruch der Nacht kraxelte ich dann durch die Hänge und war ziemlich erleichtert, dass sowohl die Rostbinde als auch die Berghexe mir freundlich gesonnen schienen: nach 5 Minuten hatte ich die ersten Raupen der Arten im Taschenlampenlicht völlig unproblematisch nachgewiesen. Die meisten Raupen der Rostbinde waren bereits recht groß (3 bis max. 4 cm), die der Berghexe jedoch nur knapp 1 cm. Rostbinden-Raupen fand ich an Bromus erectus und Poa compressa, Berghexen-Raupen nur an Bromus erecta. Bromus-Horste, die auf den Felsbändern aufsassen, waren nicht stärker von Raupen besetzt, allerdings waren diese dort erkennbar größer (beide Arten). Topo-Mikroklima und Exposition bestimmen sehr die Eignung als Larvalhabitat: erkennbar leicht feuchtere Bromus-Felspartien (beim Herumklettern leicht fühlbar) wiesen keine Raupen der beiden Arten auf, sondern sofort Raupen der "üblichen Verdächtigen" der Augenfalter-Gilde (M. galathea, C. pamphilus). Zunehmende Annäherung an größere randliche Gebüsche und stärker westexponierte Hangbereiche brachten deutlich weniger briseis/semele-Raupen, als die strikt südexponierten Hangbereiche. Ich habe insgesamt wohl 30 H. semele- und rund 12 C. briseis-Raupen dort gefunden, glaube aber, dass dieses relativ gute Resultat nicht an vielen anderen deutschen Vorkommensorten der Art erreichbar sein dürfte (hier "stimmt" halt alles...).

Hier ein paar Fotos ohne genauere Fundorte:
Deutschland, Thüringen, Kuppenrhön, Landkreis Schmalkalden-Meiningen, Herpftal, 22.5.2017, Hermann Falkenhahn (phot. & det.)


Landschaftlicher Gesamteindruck der Chazara briseis-Biotopkomplexe



Thüringer Blütenteppich (Katzenpfötchen, Kuhschellen und Großes Windröschen)


Eine gute Chazara briseis- und Hipparchia semele-Raupenfundstelle (strikt südexponiert).
Die ausgesprochene Steinigkeit des Hangs tritt hier leider aus perspektivischen Gründen nicht hervor

Fortsetzung folgt...

Beiträge zu diesem Thema

Chazara-/Hipparchia-Raupensuche in Thüringen *Foto*
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Imagines, H. semele (Eiablagehabitat) *Foto*
Re: die Raupen...
Raupenfliegeneier anstelle "Milben"
Re: Raupenfliegeneier anstelle "Milben"
Re: Chazara-/Hipparchia-Raupensuche in Thüringen *Foto*
Re: Chazara-/Hipparchia-Raupensuche in Thüringen
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Nein, ein Fossil der historischen Kulturlandschaft!
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