Polyommatus coridon
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Forum 2: Alles ausser Bestimmungsanfragen

Trans-Sahara und zurück - Wanderungen des Distelfalters (Vanessa cardui)

Hallo Tagfalter- und Wanderfalter-Freunde,

liest man in unserer BH den Abschnitt "Wanderverhalten", beschreibt er recht gut, was in Europa passiert; aber man könnte meinen, am Mittelmeer ist im wesentlichen Schluss. Dem ist nicht so! So gibt es verschiedene Berichte über größere spätherbstliche Wanderzüge über die Sahara hinweg südwärts bis ins subtropisch/ tropische Afrika, und es war schon immer zu erwarten, dass die Wanderbewegungen im Spätwinter und frühen Frühling nicht alle aus dem Mittelmeerraum und der Nord-Sahara kommen, sondern dass es zu dieser Zeit auch Flüge von Süd nach Nord über die Sahara hinweg gibt.

Eine Methode, das zu testen ist die Untersuchung der Isotopenzusammensetzung der Falter. Wasserstoff, Sauerstoff, Kohlenstoff und die meisten anderen Elemente gibt es ja nicht nur in der Standardform, sondern auch mit zusätzlichen Neutronen, die das entsprechende Atom schwerer machen. Das fängt mit dem leichtesten Element an, dem Wasserstoff, der normalerweise ein Proton und gar kein Neutron im Kern hat, den es aber auch mit einem Neutron bzw. sogar zwei Neutronen gibt (der Wasserstoff heißt dann Deuterium bzw. Tritium). Und das Interessante: Die Prozentsätze an Deuterium und anderen Isotopen sind von Region zu Region recht verschieden. Eine Raupe, die am Südrand der Sahara oder im tropischen Afrika aufwächst, lässt sich anhand des Verhältnisses von Wasserstoff zu Deuterium deutlich unterscheiden. Dieses Verhältnis ist also so eine Art Herkunftssiegel.

Das Schöne daran: Auch wenn ein Falter später über die Sahara hinweg fliegt - diese Isotopenspur verwischt nicht so schnell, selbst wenn er woanders Nektar saugt. Das Ursprungsgebiet der Raupe ist in der Isotopenzusammensetzung des Falters immer noch präsent.

Im November und Dezember legen im südlichen Mittelmeerraum ja noch die letzten von Norden kommenden Falter ihre Eier ab. Andere haben zu diesem Zeitpunkt schon die Sahara südwärts überquert.

Aber was ist dann mit den Faltern im Februar und März in Nordafrika und dem Südrand Europas? Sind sie alle vor Ort aufgewachsen?

Die Isotopen-Studie von Talavera et al. (2018) [mit Wasserstoff-Deuterium] zeigt nun sehr klar: Die weitaus meisten Falter in Nordafrika zu dieser Zeit sind südlich der Sahara aufgewachsen, haben also schon eine lange Nordwanderung hinter sich!

Lest selbst: http://biologiaevolutiva.org/rvila/Lab/Publications_files/2018_Talavera_et_al.pdf

Es sieht so aus, als würde das jedes Jahr über die Sahara hin und her schwappen. Tiere, die dort bleiben, wo sie aufgewachsen sind, scheint es bei dieser Art gar nicht zu geben. Nach dem Schlüpfen wird erst einmal weit (mit bei den Weibchen noch unentwickelten Eiern) gewandert, erst danach kommt es zu Kopula und Eiablage.

Viele Grüße

Erwin Rennwald

Beiträge zu diesem Thema

Trans-Sahara und zurück - Wanderungen des Distelfalters (Vanessa cardui)
Der Wanderrekord des Monarch in Nord Amerika (4500 km) ist in Gefahr! *kein Text*
Schon länger bekannt...
Naja
Bestimmungshilfe
Millionen auf den Kanaren
Re: ist das vielleicht der Transportmechanismus? *Foto*
Transportmechanismus
Re: Transportmechanismus
Re: Millionen auf den Kanaren
Leider ein recht unwissenschaftlicher Text
Re: Millionen auf den Kanaren