Polyommatus coridon
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Forum 2: Alles ausser Bestimmungsanfragen

Auf der Suche nach Parnassius mnemosyne *Foto*

Hallo Jörg und Forum-Besucher,

ich hatte mir vorgenommen – sofern ich fündig sein würde – mich wieder zu melden und vom mnemosyne-Fund zu berichten. Die Suche gestaltete sich, nachträglich betrachtet, ziemlich aufschlussreich, und deshalb wollte ich gern ausführlicher darüber berichten, wenn ich wieder ausreichend Muße hätte. Bis die Muße kam, dauerte es ein halbes Jahr…

Also: Die deutsche Bezeichnung für diesen selten werdenden Tagfalter, Schwarzer Apollo, suggeriert einen hohen Anteil an Schwarz auf den Flügel; tatsächlich aber dominiert die Farbe Weiß, unterbrochen von einigen schwarzen Elementen (Adern, Punkte), dazu säumt ein gräulich durchscheinender Streifen den hinteren Flügel. Mir persönlich erscheint daher die französische Bezeichnung Semi-Apollon durchaus zutreffend: Halb-Apollo. Denn im großen Ganzen ähnelt der Falter ja dem „klassischen“ Apollo, bloß dass ihm die typischen, kennzeichnenden blutroten Augenflecken fehlen.

Als ich im Gebiet ankam hielt ich also Ausschau nach einem relativ großen weißen Schmetterling. Und schon bald sah ich tatsächlich einen. Er flog geschäftig den blumenreichen Hang hoch, quer, zickzackte in der Luft, flog weiter. Keine Chance, ihn in irgendeine Weise fotografisch festzuhalten. Schade. Einige Minuten später wieder einer, auch er unruhig umherfliegend, über den grasigen Hang, und verschwand am Waldsaum. Wollte der Falter denn nicht sich irgendwohin mit Muße setzen, dass ich mich nähern und ihn beobachten konnte?

Dann erneut einer. Dieser flog vom Hang in meine Richtung, über mich hinweg, umschwirrte kurz ein Zweigende in drei Meter Höhe, und zog dann weiter. Da erspähte ich einen halben weißen Flügel, aufrecht im Laub, auf einem Blatt sitzend, mit weißen Adern, genau an jener Stelle, die der andere Schmetterling umflogen hatte. Ja, weiße Adern, in einem schönen Tiffany-Glaskunst-Muster. Der hellgraue Saum war eher imaginär vorhanden … Zweifel sickerten ein…. Soll ein Ritterfalter nicht eher schwebend, erhaben fliegen? All diese großen weißen Schmetterlinge flatterten so verdächtig pieridenhaft, unruhig, rastlos, wie ziellos.


Weiße Flügel eines vermeintlichen Schwarzen Apollos auf einem Zweig (richtig: Flügel von einem Baumweißling).
Deutschland, Bayern, Rhön, Landkreis Rhön-Grabfeld, ca. 800 m, 3. Juni 2018.

Der gemächliche Aufstieg in Richtung Gipfel zeigte blumenreiche Matten, dunkelgrüne Laubwaldabschnitte, und immer wieder Schmetterlinge, Mohrenfalter, Perlmuttfalter, kleine blasse Kapselspanner, Bläulinge, Kleine Füchse, und hin und wieder Baumweißlinge. Ja – ich hatte lauter Baumweißlinge für Schwarze Apollos gehalten. Wunschdenken! Die Ernüchterung holte mich zurück. Immerhin, der Spaziergang nach oben war reizvoll...


Deutschland, Bayern, Rhön, Landkreis Rhön-Grabfeld, ca. 800 m, 3. Juni 2018.

Ein „romantisch gesinnter“ Zipfelfalter posierte kurz neben der Rosenknospe eines Hagenbuttenstrauchs.

Deutschland, Bayern, Rhön, Landkreis Rhön-Grabfeld, ca. 850 m, 3. Juni 2018.

Auf dem sonnigen Gipfel tummelten sich auf einem breiten Bergblütenstreifen bunte Schmetterlinge in vielen Farben…

Einige Wolken zogen danach über den Himmel; die Falteraktivität beruhigte sich. Der Nachmittag war fortgeschritten, ich musste allmählich an den Abstieg denken… Noch eine Runde um die überschaubare Gipfelkuppe drehen, einem kleinen Pfad entlang. Auf einer kleinen Storchschnabelfläche, von einem Besucher achtlos hingeworfen, ein Papierfetzen … Papierfetzen, grob oval, gerundete Kanten.. ??? Ich machte drei Schritte rückwärts. Daaa!!! Tatsächlich Parnassium mnemosyne! Von wegen Papierfetzen – ich hatte die Hoffnung auf den Schwarzen Apollo offenbar unbewusst bereits begraben … Und da lag einer auf den Storchschnabelblättern, mit ausgebreiteten Flügeln, die zwei schwarzen Punkte unmissverständlich vorhanden, der hellgrau-durchsichtige Saum ebenso erkennbar… Ich konnte mich kaum sattsehen, freute mich wie ein Kind, das ein sehnlich erwünschtes Geschenk erhalten hatte. Der Abstieg konnte noch warten … Irgendwann schlenderte ich im Gipfelbereich weiter, und entdeckte tatsächlich wenige weitere Schwarze Apollos. Eigentlich ruhten sie allesamt. Nur einmal flog einer auf, flatterte kurz pieridenhaft, legte dann aber eine typische papilionidenhafte Schwebephase ein, wie sie auch Schwalbenschwanz und Segelfalter gelegentlich pflegen. Er schwebte niedrig über die Krautfläche, und setzte sich einige Meter weiter wieder hin.


Der erste Schwarze Apollo war nicht mehr frisch, zerschundene Flügelränder, fransig gerupft. Der sehr flüchtige Anblick aus der Entfernung konnte vielleicht an einen zerknüllten, wieder auseinander gezogenen, doch nicht mehr glatten Papierfetzen erinnern…
Deutschland, Bayern, Rhön, Landkreis Rhön-Grabfeld, ca. 900 m, 3. Juni 2018

Zwei weitere Schwarze Apollos


Deutschland, Bayern, Rhön, Landkreis Rhön-Grabfeld, ca. 900 m, 3. Juni 2018.

Seltsam erschien mir dieses Individuum, das vierte. Dieser Falter schleppte ein Rohr an seinem Unterleib mit. Anfangs dachte ich beim Anblick des ersten Fotos, es sei ein ungünstig gelegener Bestandteil einer Pflanze, der diese optische Täuschung verursache, dass dem Körper des Schmetterlings etwas Fremdartiges anklebe. Die weiteren Fotos zeigten aber, dass dieses Gebilde wohl zum Falter selbst gehörte…




Alle drei Bilder: das gleiche Weibchen.
Deutschland, Bayern, Rhön, Landkreis Rhön-Grabfeld, ca. 900 m, 3. Juni 2018.

Erst zu Hause konnte ich nachlesen (im Lepiforum): „Bei der Paarung heftet das Männchen dem Weibchen eine „Sphragis“ genannte, aus erhärtendem Chitin bestehende Hülse an, die eine weitere Begattung durch andere Männchen verhindert“.

Dieses Röhrchen, oder Hülse, sieht ziemlich befremdlich aus, wie ein Fremdkörper, dem man dem armen Falter am liebsten entfernen möchte … Diese mnemosyne-Männchen sind ja echte Machos – bloß nie der Gehörnte werden! Oder prosaischer: dass bloß seine Eier, und nicht die eines Nebenbuhlers, für die Nachfolger sorgen … Wie auch immer man das sehen mag – die Natur hat es so eingerichtet :)

Naja, irgendwann musste ich den Berg wieder verlassen …
Es war ein rundum gelungener Ausflug gewesen.

Viele Grüße
Martine

Beiträge zu diesem Thema

Parnassius mnemosyne mit Frühstart *Foto*
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Auf der Suche nach Parnassius mnemosyne *Foto* Bestimmungshilfe