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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

eine kleine Anmerkung

Hallo Erwin,

auch hier in Nordrhein-Westfalen werden die Autobahnseitenstreifen mit dem Hubschrauber seit Jahren systematisch mit Insektiziden abgespritzt (unabhängig, ob ein Naturschutzgebiet vorhanden ist). Ebenso sämtliche Eichen in den Straßen und Parks innerhalb der Ortschaften.

In der Tageszeitung WAZ war direkt ein Tag vor der Bekanntgabe der Spritzaktion -3 Artikel in einer Ausgabe, alle als positive Aktion beschrieben- ein ausführlicher Artikel über einen Bauern, der sein Feld m² für eine „Insekten freundliche Blumenwiese“ verkauft. Was immer auch das ist, der Bauer hat gleichzeitig noch freiwillige Helfer für die mechanische Unkrautbekämpfung auf dem Feld gesucht. Die Bereitschafft, die Umweltbedingungen für die Insekten zu verbessern ist da. Jedoch die Verknüpfung, dass diese Spritz-Aktion gegen den Eichenprozessionsspinner allen Insekten schadet, findet in der Öffentlichkeit/Zeitungen nicht statt, da die verwendeten Insektizide als Bienen freundlich eingestuft sind. Und die Medien haben nun mal die Biene als „Lieblingstier“ hochstilisiert. Wenn es der Biene gut geht, dann ist die Insektenwelt in Ordnung. Kritischen Stimmen gegen die Bekämpfungs-Aktion hört man in den Tageszeitungen kaum. Bisher kenne ich nur einen aktuellen Artikel aus einer Tages-Zeitung, der sich kritisch mit der Spritzaktion auseinandersetzt:

https://www.waz.de/staedte/oberhausen/oberhausener-naturschuetzer-warnen-vor-biozid-neem-protect-id217085009.html

Nach meiner Meinung fehlt aber ein wichtiger Aspekt in Deinem Brief: nämlich die tatsächlichen Kosten der Aktion. Nur der Hinweis auf Verschwendung der Steuergelder ist leider nicht greifbar und es gehört heute schon „zum guten Ton“ Steuergelder bei jedem Projekt zu verschwenden.

Die Kosten setzten sich zusammen aus:
1. Hubschraubereinsatz
2. Spritzmittel- und Wasseraufwandmenge
3. Arbeitsstunden und deren Aufwand des aus zuführenden Betriebes
4. Ausschreibung des Auftrages und Arbeitsstunden des Sachbearbeiters

Hier in NRW haben viele Gemeinden einen Nothaushalt, die einfachsten Leistungen in den Gemeinden werden gestrichen. Vielen Menschen sind die Insekten ziemlich egal und befürworten die im ersten Moment die Aktion, weil sie sich geschützt fühlen. Wenn man aber die realen Kosten für diese Aktion ins Bewusstsein der Öffentlichkeit (Veröffentlichung in der Tageszeitung) bringen könnte und gleichzeitig dann eine echte Kosten-Nutzen-Analyse aufstellen könnte, dann würde sich, nach meiner Meinung, eher Widerstand in der Bevölkerung regen. Die Kosten werden zu Zeit auch in den Zeitungen nur mit „etwas teuer“ beschrieben. Die Gemeinden/Städte haben wahrscheinlich auch kein Interesse echte Zahlen herauszugeben, denn wie sollen Sie es der Bevölkerung erklären, dass notwendige Pflegemaßnahmen für öffentliches Grün/Parks eingestellt werden, nur um die Aktion mit zu finanzieren? Bei vielen Gemeinden werden Pflanzenschutzaktionen aus dem Topf für öffentliches Grün bezahlt.

Für eine echte Kosten-Nutzen-Analyse müsste auch folgende Frage beantwortet werden:

1. Wie viele Menschen wurden vom Eichenprozessionsspinner in diesem Gebiet tatsächlich im letzten Jahr/Jahre geschädigt?

Zu diesem Punkt erhält man in der Regel nur ein Schulterzucken als Antwort, da meist keine Statistiken geführt werden. Daher ist es wahrscheinlich nicht möglich, eine echte Kosten/Nutzen-Analyse durchzuführen. Dieses ist aber den Entscheidungsträgern nicht bewusst, sondern sie haben Angst davor, evtl. Schadensersatzansprüchen wegen Verletzung der Fürsorgepflicht zu erhalten. Außerdem eignet sich die Aktion hervorragend dafür Werbung für dass eigene Tun für die Bevölkerung zu machen, nach dem Motto „wir passen auf Euch auf, damit es Euch gut geht“. Mit lebenden Insekten kann man erst in jüngster Zeit Werbung betreiben ;) . Da sind die Argumente auf den Vogelbestand und evtl. auf die Fledermäuse schon gewichtiger.

Nach meiner Meinung ist der direkte Sachbearbeiter der Gemeinde entscheidend, da dieser die regional tätigen Politiker (z.B. Landrat usw.) berät. Für die Beratung des Sachbearbeiters sind wiederum die Mitarbeiter des Pflanzenschutzamtes zu ständig. In den Gemeinden sollte man darauf hinweisen, dass mit dem Einsatz eines Insektizids, dass Problem der Raupenhaare nicht behoben ist. Und das auch ein Bio-Insektizid ebenfalls giftig für die Umwelt ist, auch wenn BIO darauf steht. Hier in Bottrop ist man inzwischen auf ein anderes Bio-Mittel (Neem-Protect), mit einem größeren Anwendungsbereich, ausgewichen. Bacillus thuringiensis-Stämme werden in diesem Jahr nicht mehr eingesetzt.
Gleichzeitig sollte man fragen, warum der ausgewählte Galabau-Betrieb den Auftrag erhalten hat und ob er den gesetzlich vorgeschriebenen Sachkundenachsweis für das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln vorweisen kann und wie die Bevölkerung vor den durchführenden Pflanzenschutzmaßnahmen geschützt wird. Jetzt bitte nicht über diese Selbstverständlichkeit lachen, denn hier bin ich schon von der Abdrift des Hubschraubers im Auto eingenebelt worden, weil die Autobahn nicht dafür gesperrt wurde. Die Warnung war nur ein kleines Verkehrsschild…

Und, wie bereits oben erwähnt, nach den realen Kosten und deren Nutzen in der Gemeinde fragen. Je mehr kritische Fragen gestellt werden, umso unangenehmer wird es für den/die Sacharbeiter/-in, da er/sie sein Handeln/Entscheidungen rechtfertigen muss. Vielen Sachbearbeitern ist es auch nicht bewusst, dass der Eichenprozessionsspinner zur heimischen Insektenwelt gehört und dass man früher keine Bekämpfung durchgeführt hat. Auch die Information, dass in anderen Ländern z.B. Italien, mobile Ameisenhaufen für die Bekämpfung eingesetzt werden, ist nicht bekannt. Wenn aber der/die Sachbearbeiter/-in nur dieses eine Aufgabengebiet hat, dann wird er/sie wahrscheinlich das Arbeitsgebiet nicht selber abschaffen….

Das reine „Fakten-Wissen“, so wie es in Deinem Brief steht, finde ich persönlich sehr wichtig, nur ich habe die Erfahrung gemacht, dass man Politiker damit nicht umstimmen kann und auch selten jemanden interessiert, aber wenn man nachweisen kann, dass eine sinnvolle Maßnahme effektiv Geld einspart, dann kann man viel bewirken.

Ich wünsche Dir, dass der Brief auch in vielen Zeitungen (Tageszeitungen, Spiegel, FAZ usw.) abgedruckt wird. Vielleicht auch in einer gekürzten Version. Nur durch gezielte Aufklärung über die Wirkung und Kosten auf die Umwelt lässt sich vielleicht ein Umdenken erreichen. Auf jeden Fall schicke diesen Brief auch an Redaktionen von Zeitungen!!!! Auch ein Versuch mit dem zuständigen Pflanzenschutzamt in Kontakt zu kommen, um die Berater für das Thema mehr zu sensibilisieren, wäre vielleicht für die Sache hilfreich.

Viele Grüße
Monika

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