Polyommatus coridon
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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Re: Schreiben an Landesregierung

Hallo Andreas,
liebe Forumer,

leider läuft nicht immer alles rund, diverser Ärger ist verständlich.
Auf die Situation des Apollofalters haben wir bereits mit unseren Schreiben vom 28.11.2013 an die Landesregierung hingewiesen. Wir selbst haben keine Antwort erhalten, jedoch hat man die zuständige Stelle mit Maßnahmen beauftragt. Beigefügt unser Schreiben, falls von Interesse:

Absender:
ARBEITSGEMEINSCHAFT
RHEINISCH-WESTFÄLISCHER
LEPIDOPTEROLOGEN e.V.
Klaus Hanisch
Nonnenweg 89, 51503 Rösrath
Datum: 28.11.2013

An
Landesregierung Rheinland-Pfalz
Ministerium für Umwelt und Forsten
Rheinland-Pfalz
Kaiser-Friedrich-Str. 1
D-55116 Mainz

Schutzmaßnahmen des Apollofalters in Rheinland-Pfalz

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Moselapollo zählt bekanntlich zu den markantesten Erscheinungen unserer Fauna im
Unteren Moseltal.
Dieser schöne Schmetterling hat langfristig nur bei entsprechenden Schutz- und
Pflegemaßnahmen seines Lebensraumes eine Überlebenschance. Dazu besteht auch gemäß
Washingtoner Artenschutzübereinkommen und den FFH-Richtlinien eine besondere
Verpflichtung für das Land Rheinland-Pfalz.
Aus aktuellem Anlass möchten wir darauf hinweisen, dass die Moselapollo-Population 2012
erheblich eingebrochen ist. An den Flugstellen wurden im Schnitt nur ca. 10 % der
Vorjahresindividuen gezählt.
Ein Grund war, dass die Nahrungspflanzen des Falters an den Berghängen aufgrund der
Trockenheit in dem heißen Frühsommer 2011 kaum noch Blüten hervorgebracht hatten.
Deshalb suchen die Falter ihre Nahrung, die sie auch zur Eiablage benötigen, auf tiefer
gelegenen Wiesen und blütenreichen Stellen; dabei überqueren sie aufgrund der örtlichen
Verhältnisse Straßen, Wege und Eisenbahnschienen. Bei diesen Flügen fallen viele Individuen
dem Verkehr zum Opfer.
Dieses entspricht den langjährigen Beobachtungen des Verbandsgemeindebürgermeisters a.D.
der Verbandsgemeinde Untermosel, Herrn Dötsch, sowie einiger unserer Vereinsmitglieder.
So wurden zuletzt in 2011 Hunderte toter Tiere an den Rändern der Moseluferstraßen
vorgefunden.
Eines unserer Vereinsmitglieder zählte zur Flugzeit des Moselapollos im Jahre 2011 auf dem
etwa 2 km langen Streckenabschnitt der Moseluferstraße zwischen Ortsausgang Cochem und
Ortseingang Klotten an die 200 totgefahrene Apollofalter. Somit wurde ein Großteil, wenn
nicht der größte Teil der Population in diesem Teilbereich vernichtet. Diese Zahlen entsprechen
auch früheren Zählungen. So konnte ein ehemaliger Naturschutzbeauftragter auf der
Moselstraße zwischen Winningen und Kobern-Gondorf in einem Jahr über 300 dem
Straßenverkehr zum Opfer gefallener Apollofalter feststellen.
Es steht zu befürchten, dass durch diese externen Faktoren die Population über das normale
Schwankungsverhalten hinaus unter eine kritische Grenze gerät und damit das Aussterben
dieser Art nicht auszuschließen ist.
Die Landesregierung ist sich der Verantwortung für den Moselapollo bewusst, wie auch in den
Ausführungen der Schrift „Apollofalter in Rheinland-Pfalz“ dargestellt ist.
In dem Kapitel „Schutz und Management“ der genannten Schrift wird dabei auf eine mögliche
Schutzmaßnahme verwiesen:
„Eine teilweise Entschärfung der Gefährdungssituation könnte gegebenenfalls dadurch erreicht
werden, dass gezielt blütenreiche Flächen an den Hängen und in unmittelbarer Nähe der vom
Apollofalter besiedelten Felsfluren geschaffen werden. Dies hätte den Effekt, dass Nahrungsflüge
über die Verkehrsflächen hinweg nicht mehr im jetzigen Umfang notwendig wären.“
Wir würden es daher sehr begrüßen, wenn Ihr Vorschlag „dass gezielt blütenreiche Flächen an
den Hängen und in unmittelbarer Nähe der vom Apollofalter besiedelten Felsfluren geschaffen
werden“, umgesetzt wird.
Eine weitere Gefahr für den Moselapollo besteht darin, dass viele Flugplätze inzwischen stark
verbuschen, so z. B. im Dortebachtal, Fellerbachtal und Ausoniusstein.
Entbuschungsmaßnahmen sind notwendig. Sie dürften dabei nicht nur dem Apollofalter,
sondern der gesamten xerothermen Flora und Fauna, die im Unteren Moseltal prägend ist, zu
Gute kommen.
In diesem Zusammenhang dürfen wir anmerken, dass durch die fortschreitende Aufgabe der
Weinwirtschaft insbesondere in den Steillagen die Flächen verbuschen und sich dort
anschließend in eine artenarme Waldgesellschaft umwandeln. Daran ändern auch einzelne
stattfindende Pflegemaßnahmen nicht viel. Dieser Zustand ist insbesondere im Unteren
Moseltal zu beobachten.
Eine Abstimmung der Flächenentwicklung zwischen öffentlicher Hand und der Weinwirtschaft
über die Nutzung der Flächen als Offenlandflächen nützt aus unserer Sicht nicht nur der Flora
und Fauna im Unteren Moseltal, sondern trägt auch zum Erhalt der Kulturlandschaft Moseltal
bei.
Sind es doch die offenen, felsigen Landschaften, die den Charme und das südliche Flair dieser
einzigartigen Mosellandschaft ausmachen. Ihr Erhalt dient auch der Attraktivität für die
Touristen.
Wir sind sicher, dass die skizzierten Maßnahmen nicht nur dem Kleinod des Moseltals – dem
Moselapollo – sondern der gesamten Moselregion und seinen Menschen zu Gute kommen. An
ihrem Zustandekommen mit zu arbeiten, sind wir selbverständlich bereit.
In einem Gespräch können wir gern unsere Vorstellungen präzisieren.

Mit freundlichem Gruß
ARBEITSGEMEINSCHAFT
RHEINISCH-WESTFÄLISCHER
LEPIDOPTEROLOGEN e. V.

Dr. Wolfgang Vorbrüggen Klaus Hanisch

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