Polyommatus coridon
Lepiforum — Bestimmung
von Schmetterlingen
(Lepidoptera)
und ihren
Praeimaginalstadien
[Home] [Impressum] [Datenschutzerklärung]
Foren: [1: Bestimmungsfragen (Europa)] [2: Alles außer Bestimmungsfragen] [3: Außereuropäische Arten - Non-European Species] [Test]
Archive Forum 2: [#2 (bis 2017)] [#1 (bis 2013)] Archive Forum 1: [#7 (bis April 2019)] [#6 (2016-2018)] [#5 (2012-2016)] [#4 (2010-2012)] [#3 (2007-2010)] [#2 (2006-2007)] [#1 (2002-2006)]
Bild- und Informationssammlungen: [Bestimmungshilfe] [Schütze (1931): Biologie der Kleinschmetterlinge (Online-Neuausgabe)] [Glossar] [FAQ]
Verein: [Lepiforum e.V.] [Chat (nur für Mitglieder)]

[Hinweise zur Forenbenutzung]     [Forum User Instructions]     [Indications pour l’utilisation des forums]     [Indicaciones para el uso de los foros]     [Avvisi per l’utilizzo dei fori]     [Советы по использованию форума]     [Pokyny k použití fóra]     [Általános tudnivalók a fórum használatához]     [Wskazówki korzystania z forum]

Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Agriphila tristella: es ist vollbracht! *Foto*

Huhu Forumsgemeinde,

endlich, endlich: meine erste Graszünslerzucht ist erfolgreich abgeschlossen.
Seit über fünf Jahren versuche ich diese „Biester“ zu züchten, aber sie starben mir unter den Händen weg oder verpilzten/vertrockneten im Kokon.

Nun habe ich es geschafft und konnte beweisen, dass die „fetten“, schwarzköpfigen Crambinae-Raupen, die jeden Winter auf der Terrasse herumlaufen oder im Rasen zu finden sind, Agriphila tristella sind.
Aufgrund ihrer Größe - und der Häufigkeit der Falterfunde im Garten - hatte ich das seit den ersten Zuchten vermutet.

Auf geht's: am 19. Februar 2019 entdeckte ich eine ziemlich kleine Raupe im Rosenbeet auf einem Rindenstück.



Deutschland, Niedersachsen, Rodenberg, Garten, 70 m, 19. Februar 2019 (det. durch Zucht & Freilandfotos: Tina Schulz)

.
Ich steckte sie in eine Box mit einem Grashorst, sie ernährte sich erwartungsgemäß davon.
Als ich Anfang März nach ihr fischte, förderte ich zwei Raupen zutage!
(Glücklicherweise – wie sich später herausstellte - war es ein weiteres Exemplar derselben Art, sodass die Jungraupenfotos nicht ihre Zuordnung verloren.)

Das ist ja schon recht verrückt - mit einem zufällig ausgewählten Grasbüschel aus dem Garten ein weiteres Tier einzuschleppen -, und dennoch passierte mir dasselbe am 8. März noch einmal: ich fand eine Raupe auf der Terrasse, setzte sie ins Gras und fand dort schon am nächsten Tag zwei Gespinstschläuche vor.

Das Biotop (man sieht noch die Spuren des viel zu trockenen Sommers 2018):


Deutschland, Niedersachsen, Rodenberg, Garten, 70 m, 13. März 2019 (Foto: Tina Schulz)

.
Zwei Raupenbeispiele. Die Tiere sind ausgewachsen oder nahezu fertig.


22 mm: Deutschland, Niedersachsen, Rodenberg, Garten, 70 m, Raupen 19. Februar 2019 im Gras, Zuchtfotos 9. März 2019 (cult., det. & fot.: Tina Schulz)

.


17 mm: Deutschland, Niedersachsen, Rodenberg, Garten, 70 m, Raupen 19. Februar 2019 im Gras, Zuchtfotos 9. März 2019 (cult., det. & fot.: Tina Schulz)

.
Es mag ein Anfall von Verzweiflung gemischt mit Hoffnungslosigkeit gewesen sein, denn ich setzte unwissenschaftlicherweise alle vier Raupen, als sie ausgewachsen waren, in eine Eisbox, die ich zum Mini-Wiesenbiotop machte.
Die Bepflanzung dafür hielt ich vorher für 24 Stunden unter Wasser, um alles überwinternde Getier mitsamt sämtlicher möglicher Fraßfeinde darin herauszutreiben.

Nachdem im Juli noch nichts geschlüpft war, war meine Neugier ins Unermessliche gestiegen: ich musste nachsehen.
Das Gras in der Box war durch die ungünstigen Lichtbedingungen – unter dem Dach der Terrasse – fast komplett abgestorben; das Moos hingegen hatte sich gut entwickelt.

.
Alle vier Kokons waren im Moos. Sie messen ca. 2,5 cm und sind aus Seide geformt, verflochten mit Wurzeln und Erde.

Nun zum Inhalt: eine Raupe verpilzt, zwei Präpuppen, und die erste lebendige Puppe, die ich bisher aus meinen Graszünsler-Zuchten erhielt.

.
Kremaster dorsal und ventral:


Deutschland, Niedersachsen, Rodenberg, Garten, 70 m, Raupen Februar – März 2019 im Gras, Zuchtfotos 12. Juli 2019 (cult., det. & fot.: Tina Schulz)

.
Dieser Puppe entstieg gestern Nacht der schönste Graszünsler, den meine Augen je gesehen haben. :D


Deutschland, Niedersachsen, Rodenberg, Garten, 70 m, Raupen Februar – März 2019 im Gras, Falterschlupf 10. August 2019 (cult., det. & fot.: Tina Schulz)

.
Damit wäre die Geschichte eigentlich zu Ende, aber ich habe etwas bemerkt. Nämlich diesen komischen Schuppenwulst(?) auf dem Kopf.

.
Diese vermeintliche „Verunreinigung“ habe ich bisher erst wenige Male an Zuchttieren bemerkt. Ein prominentes Beispiel aus dem Lepiforum: jene Coleophora glitzella: http://www.lepiforum.de/1_forum.pl?page=1;md=read;id=106128
Hartmuth schrieb dazu: „Hier scheint der Kopf weiße Schuppen zu tragen. Am Beleg ist das jetzt nicht mehr erkennbar!“

Dieselbe Struktur befindet sich auch an meinem Zünsler!
Nachdem ich zum Pinsel gegriffen hatte, wurde die normale Kopfbeschuppung sichtbar:

.
Dass offenbar die gleiche Struktur bei verschiedenen Schmetterlingsfamilien auftritt, gibt mir doch zu denken.
Vielleicht ist die These gewagt; aber wäre es möglich, dass diese Struktur eine Schlupfhilfe für den Falter darstellt?
(Warum denke ich gerade an den Eizahn bei Reptilien [Vögel sind Reptilien, werden deshalb nicht extra erwähnt]…)
Aber warum habe ich dann noch nirgends davon gelesen..?

Wenn jemand hierzu etwas beitragen kann, wäre ich ziemlich froh!

- - -

Es folgen in einem Anschlussbeitrag Raupenfotos aus den vergangenen Jahren erfolgloser Zuchtversuche.

Beiträge zu diesem Thema

Agriphila tristella: es ist vollbracht! *Foto* Bestimmungshilfe
Agriphila tristella, vorjährige Zuchtfotos *Foto* Bestimmungshilfe