Polyommatus coridon
Lepiforum — Bestimmung
von Schmetterlingen
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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Umgang mit Fotobestimmungen aus dem Lepiforum (Datenbanken, Namensnennung)

Ich greife hier einen Faden aus Forum 1 auf und teile ein paar Gedanken von mir dazu mit: http://www.lepiforum.de/1_forum_2019.pl?page=1;md=read;id=24486

Ich will das nicht als "Vorgabe" verstanden wissen, sondern als Diskussionsgrundlage.

1) Es gibt bei faunistischen Meldungen grundsätzlich einen Finder. Dieser sichert ab: Ja, ich habe dieses Tier an genau diesem Tag an genau diesem Ort gefunden. Wenn das Datum schwammig wird, wird es in der Regel auch der Ort ...
2) Jede faunistische Meldung ist mit einem Artnamen verbunden, oder wenigstens einem Arbeitsnamen für ein Tier (XY. spec.). Im häufigsten Fall ist der Finder identisch mit dem Erstbestimmer oder wenigstens Arbeitsnamengeber, aber es gibt auch Fälle, wo der "Finder" das von ihm selbst "gefundene" Tier gar nicht selbst gesehen hat, z.B. bei Malaisefallen-Fängen, die von anderen sortiert und von nochmals anderen bis auf Artniveau ausgewertet werden.
3) Der Erstbestimmer tut gut daran, dem Finder - von dem er das Tier hat - das Ergebnis seiner Bestimmung mitzuteilen, und dort, wo er noch Restzweifel hat, tut er gut daran, sein Ergebnis von erfahrenen Fachkollegen kritisch prüfen zu lassen. Das kann dazu führen, dass sich seine Erstbestimmung als falsch erweist, oder aber auch, dass sie bestätigt und damit abgesichert wird.
4) Es passiert nicht allzu selten, dass durch gleich mehrere Fachleute umfassend abgesicherte Meldungen plötzlich doch wieder in Frage gestellt werden, nämlich dann, wenn eine neue Artbeschreibung innerhalb der nächsten Verwandtschaft ansteht, oder wenn festgestellt wird, dass das, was ganz allgemein unter diesem Namen geführt wurde, nicht mit dem endlich einmal näher überprüften Holotypus übereinstimmt.

Ein und dasselbe Tier kann also durchaus erst einmal einen Arbeitsnamen und dann nacheinander mehrere unterschiedliche gesicherte Bestimmungen auf Art- oder Unterart-Niveau bekommen.

Faunistische Meldungen sind für mich wertlos, wenn sie keinen Finder- und keinen Bestimmer-Namen tragen. Ersteren möchte ich fragen können, ob er das Tier wirklich an genau diesem Tag an genau diesem Ort gefunden hat, und ob er mir vielleicht noch mehr zu den Fundumständen sagen kann. Zweiteren möchte ich fragen können, ob er sich bei seiner Bestimmung sicher ist und an was er seine Bestimmung festgemacht hat; er muss mir also sagen können, ob er das Tier gebarcodet, genitalisiert oder unter der Lupe betrachtet hat, ob er das Tier nur per Foto gesehen hat oder ob er vielleicht gar nur eine telefonische Beschreibung bekam.

Wenn kein Bestimmer genannt wird, gehe ich davon aus, dass der Finder die Bestimmung selbst vorgenommen hat. Eine unterschlagene Bestimmungsleistung von anderen könnte damit den Finder natürlich erst einmal stolzer machen - bei kritischen Funden würde ich eine solche Meldung aber automatisch als fraglich werten, wen ich nichts über die Erfahrung des Finders hinsichtlich Bestimmungen in der jeweiligen Gruppe weiß. Der Finder tut also gut daran, den oder die Bestimmer und Bestimmungsbestätiger namentlich zu nennen - seine Meldung wird dadurch wertvoller!!!

Was sollte in Datenbanken abgelegt werden? Ich denke grundsätzlich alles! Nur so ist größtmögliche Transparenz gegeben, nur so kann ein anderer den Prozess von der Beobachtung bis zur Bestimmungs-Absicherung nachvollziehen.

Aber ist das denn nötig? Jeder, der einmal eine regionale oder auch überregionale Fauna schreiben will, ist auf diese Hilfen angewiesen. Anfang 2020 wird der "Deutschlandatlas" der Tagfalter und Widderchen herauskommen. Da stehen natürlich nicht bei allen, zu einfachen Punktsymbolen aggregierten Datensätzen die Finder, Bestimmer und Bestätiger dabei. Aber jeder Datenübermittler für das Projekt sollte alle unsicheren oder gar falschen Meldungen im Vorfeld herausfiltern. Für Baden-Württemberg waren das mehrere hundert falsche Punkte. Und ich bin sicher, dass hier immer noch Falschmeldungen Eingang in den Atlas gefunden haben, weil die Einzelmeldungen nicht kritisch genug geprüft wurden.

In den Bänden über die Tagfalter Baden-Württembergs oder der Pfalz konnten die Autoren "verdächtige" Meldungen kommentieren und diskutieren - das sollte eigentlich in jeder Regionalfauna so sein. Und dort müssen dann Finder, Fundumstände, Bestimmer und Bestimmungsmethodik genannt werden können - oft genug gab es aber nur ein Fundortetikett, dem man glauben konnte oder auch nicht oder eine Meldung ohne alles. Im "Deutschlandatlas" gab es keinerlei Druckraum um kritische Fundmeldungen zu diskutieren - man konnte die entsprechenden Punkte in der Karte drinnen lassen oder auch herausnehmen - und ich bin mir sicher, dass das die verschiedenen Kollegen sehr unterschiedlich gehandhabt haben. Ach, wenn das alles nur in einer Datenbank stünde, die man nachvollziehen könnte ...

Im angefragten Beispiel hieß die Meldung zur Art E.l.: "(Datum, Fundort, Lichtfang) Finder Friedemann Treuz, det. Herbert Fuchs, conf. Thomas Fähnrich". Das ist gut so. Der öffentliche Melder war gar nicht der Finder selbst, sondern der Erstbestimmer, der das Tier (alleine oder zusammen mit dem Finder und Fotografen ?) bis auf eine Artengruppe eingrenzte und die Fachwelt - hier via Lepiforum - an der weiteren Bestimmung beteiligte. Der Erstbestimmer bis zur Art antwortete dann auf den Fotobeitrag im Lepiforum.

Muss man "(Datum, Fundort, Lichtfang) Finder Friedemann Treuz, det. Herbert Fuchs, conf. Thomas Fähnrich" für die Übernahme der Meldung in eine Datenbank das Lepiforum jetzt auch noch erwähnen? Nein, muss man nicht! Aber man tut sehr gut daran, es trotzdem zu tun, und zwar nicht pauschal, sondern mit konkreten URLs! Denn so - und nur so - wird der gesamte Determinationsprozess nachvollziehbar. Da wird sofort klar, dass der Bestätiger weder ein Sammlungstier in der Hand hatte noch die Fundstelle selbst studieren konnte. Die Bestätigung erfolgte - und ich denke völlig zurecht - praktisch ausschließlich auf der Basis des Erscheinungsbildes auf dem Foto. Also ohne Beleg in der Hand, ohne GU (die hier sowieso nutzlos wäre) und ohne Barcoding.

Muss das alles in die Landesdatenbank? Ich denke, unbedingt ja! Wie anders sollte ein zukünftiger Revisor der Baden-Württemberg-Fauna (bzw. nur der E.l.-Gruppe) denn diese Meldung richtig einordnen können? Muss alles, was im Lepiforum in diesem langen Faden geschrieben wurde mit allen URLs in die Meldung in der Datenbank? Eigentlich ja, aber da das Lepiforum sich zur Stabilität der URLs verpflichtet hat, würde hier auch die URL des Eingangsbeitrags ausreichen, um alles weitere nachvollziehen zu können.

Und ich denke, die Lepiforums-URL hat noch eine weitere Aussagekraft: Der Bestimmungs-Beitrag wurde bis heute mindestens 43 Mal gelesen, ohne dass ein Widerspruch aufgetaucht ist. Außer mir also von 41 (ich habe den Beitrag heute zum zweiten mal angeklickt). Ich gehöre zu denen, die nicht widersprochen haben, weil sie zu genau dem gleichen Ergebnis gekommen sind wie Thomas! Und ich bin sicher, ich bin nicht der einzige weitere stumme Bestätiger! Eine längere Zeit unwidersprochene Bestimmung im Lepiforum hat also noch eine eigene Qualität!

Und jetzt wird es interessant: Wenn die Meldung in 2 Jahren doch korrigiert wird - z.B. weil der Beleg über diverse Umwege doch dem Barcoding zugeführt wird - dann wird das in genau diesem Faden angelegt. Und der Baden-Württemberg-Revisor bekommt das über die URL direkt mit, auch wenn die Korrektur selbst keinen Eingang in die Landesdatenbank fand ... :)

Ihr Datenbänker und Regionalfaunisten - seid Ihr einverstanden damit?

Viele Grüße

Erwin Rennwald

Beiträge zu diesem Thema

Umgang mit Fotobestimmungen aus dem Lepiforum (Datenbanken, Namensnennung)
Danke schon mal für's Anschieben! Schöne Grüße. *kein Text*
Regionalfaunist findet nichts zum kritteln! BG, BOB *kein Text*