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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Catocala elocata Raupen - Beobachtungen im Garten *Foto*

Catocala elocata Raupen im Garten - Beobachtungen

Seit 2016 konnte ich im Weidenzaun des eigenen Gartens jedes Jahr 4 bis 6 Raupen von Catocala elocata finden. Der Zaun ist bereits als Habitat bei der Bestimmungshilfe von C. elocata abgebildet.

Der Garten befindet sich in leichter Hanglage an einer Straße am Stadtrand Schriesheims. In unmittelbarer Nähe, hinter den Häusern auf der anderen Straßenseite, findet intensiver Weinbau statt. Etwas weiter weg, etwa 300m den Berg hoch, gehen die Weinberge in Mischwald über. Dies ist ein in manchen Stellen reich strukturierter Bereich, mit ein paar kleineren Gärten, Obsthainen, oder auch verwahrlosten Grundstücken. Dort wachsen eingesprengt auch ein paar Sal- und schmalblättrige Weiden, nur als Einzelbaum oder höchstens paarweise.

Catocala elocata konnte ich am 23. 09. 2019 in eben diesem reich strukturierten Gebiet am Köder nachweisen; früher schon auch an einer Lampe sitzend am Bauhof der Stadt Schriesheim, am Kanzelbach. Dort stehen schmalblättrige Weiden entlang eines Bachlaufs auf etwa 500 Metern in nennenswerter Anzahl. Die Art scheint bei und nördlich von Heidelberg noch regelmäßig vorzukommen.
Allen Raupenfunden im Garten gemeinsam ist, dass ich die Raupen erst im letzten oder vorletzten Stadium gefunden habe. Eine könnte ich im dritten Stadium gefunden haben, das ist unsicher. Dieses Jahr fand ich Mitte Mai eine etwa 3cm lange tote Raupe mit schwarzen Flecken, die schon etwas deformiert war und dennoch einer C. elocata-Raupe ähnelte.

Der Fundort – ein Weidenzaun an der Straße
Der Zaun liegt südexponiert an einer Straße. Durch die heißen Temperaturen im Juni ist es über dem Asphalt und damit am Zaun in Sommernächten deutlich wärmer als bspw. in den in der Nähe liegenden Weinbergen. Vielleicht ist die „Nachtwärme“ ein Grund für die Eiablagen?
Bei der Weide handelt es sich um eine schmalblättrige Weide.

Raupenfunde
Tagsüber konnte ich nur Kotspuren von Raupen finden. Obwohl ich meine Familie schon mit eingespannt habe, konnten wir noch keine Raupe am Tage finden. Nachts fand ich die Raupen Mitte bis Ende Juni, nie vor 22:30 Uhr, meist erst so um 23 Uhr bei fast völliger Dunkelheit, bereits beim Fressen.
Erfolgreich war ich nur bei schönem Wetter. Das ist möglicherweise kein Kriterium – die letzten Sommer waren in Nordbaden fast immer schön und im Vergleich zu langfristigen Mittelwerten zu warm und zu trocken. Bei normalem Regenwetter konnte ich im Grunde nicht suchen, „normalen“ Landregen gab es im Juni in den letzten Jahren fast nie, nur Starkregen.
Windig sollte es auch nicht sein. Ab Windstärke 4 bis 5 fand ich keine Raupen. Die Windstärke habe ich geschätzt. Windige Abende und Nächte sind am Fundort häufig. Der Fundort liegt an den Westhängen des Odenwaldes, an der Bergstraße. Hier gibt es im Sommer nach heißen Tagen häufig Fallwinde aus dem Odenwald, bis tief in die Nacht hinein, mit teilweise heftigen Böen.
Die Raupen saßen zum Fressen ausnahmslos am Ende ca. 1,5m bis 2,5 m langer Äste. Vorzugsweise fraßen sie auf der kühleren Schattenseite des Zaunes. Die Raupen fand ich, bis auf einmal, immer einzeln.

Raupen – Verhalten
Die Raupen zeigen sich sehr empfindlich gegenüber plötzlichen Erschütterungen. Sie lassen sich sofort fallen. Zwei Raupen konnte ich dadurch trotz sofortiger Suche nicht wiederfinden. Leichte Bewegungen durch Wind halten sie aus.
Raupen in Gefangenschaft, die bereits auf dem Boden sitzen, schlagen bei Störungen den „Oberkörper“ wild hin und her und verharren danach in einer hufeisenförmigen Ruheposition.

Zucht
Die Zucht verlief problemlos. Die Raupen fressen nachts und ruhen tagsüber an Zweigen, oder auch auf Holz, bspw. auf den Kanten des Zuchtkastens. In all den Jahren war nicht eine Raupe parasitiert oder starb während der Zucht.
Unter Zuchtbedingungen – kein Wind, kein Regen, – verpuppten sich die Raupen Ende Juni, die Puppenruhe dauerte ca. zwei bis drei Wochen. Die Raupen bauten sich vor der Verpuppung ein lockeres Gespinst, das Material scheint keine Rolle zu spielen. Weidenblätter wurden ebenso verbaut wir Erde.
Ich vermute, dass freilebende Raupen sich erst später verpuppen, da sie aufgrund ihrer Störungsanfälligkeit nicht so regelmäßig fressen können.
Die Temperatur spielt dabei anscheinend eine untergeordnete Rolle. Dieses Jahr züchtete ich zwei Raupen im Keller bei gleichbleibenden ca. 18 bis 20°C, zwei Raupen stellte ich in den Schatten des Zaunes – bei mehrmals deutlich über 30°C im Schatten. Die Keller-Raupen brauchten nicht deutlich mehr Zeit bis zur Verpuppung. Das galt auch für die Puppenruhe – sie betrug in Gefangenschaft ca. drei Wochen, egal ob Keller oder Garten.

Ich habe mich bisher noch nicht getraut, eine frisch eingesponnene Raupe zu beobachten, indem ich das Gespinst öffnete. Durch das Gespinst hindurch betrachtet sieht es so aus, als ob die Raupe im Gespinst zwei bis drei Tage ruht, bevor sie ihre letzte Häutung zur Puppe hin vollzieht.
Ob freilebende Raupen sich im Baum zwischen Blättern einspinnen? Ein paar Raupen züchtete ich in großen Gläsern. Wenn ich zu spät dran war mit der Umsiedlung in den Raupenkasten, verpuppten sich die Raupen in einem Gespinst im Glas.

Falter
Bis Ende Juli waren bisher alle Falter geschlüpft. Alle Puppen ergaben einen Falter. Männchen verpuppen sich und schlüpfen etwa 8 bis 10 Tage früher als Weibchen. Wobei ich das Geschlecht an der Größe festmache – die frühen Falter sind allesamt kleiner als die Falter Ende Juli.
Den Falterschlupf selbst konnte ich noch nicht beobachten. Dieses Jahr schlüpften die beiden „Garten-Falter“, nachdem ich die Puppengespinste abends gegen 18 Uhr mit Wasser besprüht hatte. Um 22 Uhr saßen zu meiner Überraschung die fertigen Falter im Kasten.
Die frisch geschlüpften Falter ruhen anscheinend bis in die Nacht. Bisher einmal konnte ich einen spät, gegen 23 Uhr freigelassenen Falter, kurz beobachten. Er flog sofort weg, über das Haus.
Dieses Jahr bot ich den frisch geschlüpften Faltern Rotweinköder an. Sie saugten sofort, nach fünf Sekunden.

Eiablage?
Den Zaun schneide ich im Herbst und lasse immer ein paar Äste stehen. Obwohl ich viele abgeschnittenen Äste absuche, konnte ich noch nie ein Ei finden, auch nicht an oder in Rindenspalten der Stämme. Eine Eiablage konnte ich auch noch nie beobachten.
Ob ich im nächsten Jahr wieder Raupen finde? Der Zaun hat dieses Jahr unter Hitze und Trockenheit sehr gelitten – die Weiden haben gefühlt mindestens ein Drittel ihrer Blätter bereits jetzt, in der zweiten Septemberhälfte, abgeworfen.

Gefährdung
Die Art ist durch den Schwund schmalblättriger Weiden gefährdet. Die heißen und trockenen Sommer der letzten Jahre beeinträchtigen zumindest diejenigen schmalblättrigen Weiden, die nicht direkt an Bachläufen stehen. Weiden, die solitär stehen, haben dieses Jahr schon viel Laub abgeworfen und sehen krank aus. Zudem werden immer wieder vom Forst oder von der Stadtverwaltung Bäume aus Sicherheitsgründen gefällt. Als Ersatz für mächtige, mindestens 20 Meter hohe Weiden, die jetzt noch stehen, wurden in der Innenstad schon mal vorab Ahornbäume gepflanzt. Die Stadtverwaltung versuche ich davon zu überzeugen, an geeigneten Orten Weich- statt Harthölzer zu pflanzen. Das könnte sogar klappen – der aktuelle Leiter des Grünflächenamtes ist durchaus aufgeschlossen.

Fotos

Raupe 2019
Deutschland, Baden-Württemberg, Schriesheim, Garten / Weidenzaun, 130m, 04. Juni 2019, Nachtfund (Studiofoto: Thomas Jungbluth)

Gespinste 2019
Fundort wie oben, fotografiert am 23. 09.2019

Frisch geschlüpfter Falter 18. Juli 2019
Deutschland, Baden-Württemberg, Schriesheim, Garten / Weidenzaun, 130m, 18. Juli 2019, Nachtfund (Studiofoto: Thomas Jungbluth)

Frisch geschlüpfter Falter an Rotweinköder

Frisch geschlüpfter Falter 29.07. Juli 2019

Falter an Rotweinköder
Deutschland, Baden-Württemberg, Schriesheim, Weinberge / Waldrand, 150m, 22. September 2019, Nachtfund (Freilandfoto: Thomas Jungbluth)

Beiträge zu diesem Thema

Catocala elocata Raupen - Beobachtungen im Garten *Foto*
Re: Catocala elocata Raupen - sehr schöne Doku in Wort und Bild - danke, Thomas! *kein Text*