Polyommatus coridon
Lepiforum — Bestimmung
von Schmetterlingen
(Lepidoptera)
und ihren
Praeimaginalstadien
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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Re: neue Gattungsgliederung bei den Hesperiidae ...
Antwort auf: neue Hesperiidae.. ()

Hallo Siegfried

mittlerweile werden mir die ganzen DNA-basierten und morphologisch kaum auswertbaren Neuerungen in der Systematik (nicht nur der Schmetterlinge) immer dubioser. Hier:
http://centerforsystematicentomology.org/default.asp?action=insectamundi&id=insecta_new&year=2019
wurden gerade 50 (in Worten: FÜNFZIG) neue Gattungen innerhalb der Hesperiidae aufgestellt?! Wer soll da noch durchblicken?

Durchblicken muss da meiner Meinung nach gar keiner!

Aber als Insektenkundler leben wir in einem Spannungsfeld: Wir beschweren uns über ein weltweites Insektensterben und einen entsprechenden Artenschwund - und gleichzeitig sind uns die noch vorhandenen Arten zu viel!??? Aus Europa wurden seit 2000 fast 900 Schmetterlingsarten als neu für die Wissenschaft beschrieben - und auch da sind wir noch lange nicht fertig. Weltweit stehen sicher noch mehrere Zehntausend Neubeschreibungen von Schmetterlingen aus - bei viel zu wenigen möglichen Beschreibern.

Irgendwie ist es schon frustrierend: ich beschäftige mich seit mehr als einem halben Jahrhundert intensiv mit Schmetterlingen und kenne noch nicht mal die knapp 10.600 europäischen Arten in unserer Bestimmungshilfe ... Und dabei sollten wir uns als Lepiforum doch längst auf Palaearktis oder gleich Terra Mundi ausweiten.(???) Die europäischen Arten verteilen sich im Moment auf 87 Familien und eine vierstellige Zahl an Gattungen: Wer soll da noch durchblicken? Und als Biologe sollte ich eigentlich alle Tier- und Pflanzenarten weltweit kennen, also so ein paar Dutzend (ja wieviele eigentlich) Millionen Arten ...

Weltweit haben wir 3500, vielleicht auch 4000 oder 5000 Dickkopffalter-Arten. Wenn die sich auf ein paar hundert Gattungen verteilen, ist das an sich okay. Und Gattungen sollen ja "verwandte" Arten zusammen packen und per se Monophyla darstellen. Nichts anderes haben hier CONG et al. (2019) versucht; das können wir ihnen nicht übel nehmen. Dass das bisherige System der Hesperiidae in Südamerika (und sonstwo) noch alles andere als ausgegoren war, das konnten wir hier im Forum mehrfach aus erster Hand durch Ernst Brockmann erfahren. Daher: Die Arbeit ist erst einmal klasse! :) Worüber wir uns immer Gedanken machen müssen, ist: wo nennen wir zwei (oder mehrere) Gruppen Gattungen, wo Untergattungen. Das, was hier als Gattungen bezeichnet wurde, könnte man auch als Untergattungen auffassen, und die Subtriben als Gattungen. Das wäre in sich genauso konsistent, aber wir müssen es dann vergleichen mit dem Vorgehen in anderen Verwandtschaftsgruppen, etwa den Bläulingen oder den Perlmutterfaltern - oder den Eidechsen und Papageien. Da passen die Dickkopffalter mit ihren 50 neuen Gattungen noch ganz gut hinein ... Für mich interessant: Es wurden nur 2 neue Triben und zwei neue Subtriben ausgewiesen - so langsam scheint da auf dieser Ebene also Stabilität einzukehren. Und schön für uns ist doch auch dieser Satz (S. 4): "Finally, taxa not mentioned in this work are considered to remain at the ranks and in taxonomic groups they have been previously assigned to (Evans 1937, 1949, 1951, 1952, 1953, 1955; Mielke 2005; Li et al. 2019; Zhang et al. 2019b)". Gemäß Tabelle wurden auch Vertreter der Gattungen Carcharodus, Spialia, Pyrgus, Carterocephalus, Hesperia, Ochlodes und Thymelicus untersucht - und da gab es gar keine Änderungswünsche ... So lange wir uns auf Europa beschränken, können wir uns also noch ruhig zurücklehnen :).

Viele Grüße

Erwin Rennwald

Beiträge zu diesem Thema

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