Polyommatus coridon
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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Re: Winterhärte bei Operophter, Abschluss.

Erstmal ein Abstrakt von Heinrich und Mommsen aus 1985 in der Zeitschrift "SCIENCE": Heinrich, B. & Mommsen, T. P.; Flight of Winter Moths Near 0°C; Science, 1985, 228, 177-179
"Some noctuid winter moths fly at near 0 degrees C by maintaining an elevated(30 degrees to 35 degrees C) thoracic muscle temperature. Geometrid winter moths sustain themselves in free flight at subzero muscle temperatures. However, the temperature characteristics of citrate synthase and pyruvate kinase from both of these different kinds of moths and from a sphinx moth that flies with a muscles temperature of 40 degrees C are nearly identical. Furthermore, mass-specific rates of energy expenditure of both kinds of winter moths are also similar at given thoracic temperature (near 0 degrees C). The geometrids that are able to fly with a thoracic temperature near 0 degrees C do so largely because of unusually low wing-loading, which permits a low energetic cost of flight."
wing load = körpergewicht / flügelgröße

Operophtera fliegen bei Temperaturen von -3° an. Ihr Thorax-Temperatur ist dabei nahe der Umgebungstemperatur (Heinrich, siehe oben). Anders als andere Winterfalter müssen sie ihr Thorax-temperatur nicht durch Flügelzittern auf etwa 30 °C und mehr aufheizen, bevor sie abheben können. In der Praxis bedeutet das, dass man zwar Winter-Eulen und -Zahnspinner mühelos auf einen anderen Untergrund setzen, gestört lassen sie sich fallen, Operophtera dagegen fliegen dagegen einfach weg.

Die Biochemie dafür entzieht sich noch meinem Forschergeist. Von anderen "winterharten" Faltern weiß man, dass sie, wenn es kühler wird, Glycol und Zucker, wie z.B. Trehalose, in ihre Hämolymphe packen. So wird die Erstarrungstemperatur der Hämolymphe (Fachausdruch "super cooling point" SCP) auf teils unter -25°C abgesenkt. Diese Info gab es in der verfügbaren Literatur für Operophtera nicht.

Wir Menschen wären, abgekühlt auf 5°C, tot. Wechselwarme Wirbeltiere wie Amphibien erstarren. Falter sind allerdings ektotherme Tiere, deren Körpertemperatur nur von der Außentemperatur abhängt, es sei denn, sie würden durch besonderen Aktivitäten (hier Flügelzittern) die Körpertemperatur erhöhen. Berücksichtigen wir weiter, dass 10° Temperaturabsenkung alle Enzymreaktionen auf die Hälfte verlangsamt. Vergleichen wir die Vorgänge beim gleichzeitig beobachteten Ptilophora plumigera mit denen von Frostspannern, heizt der erstere seinen Thorax erst auf vielleicht 35°C auf, bevor er abhebt. Das Warmzittern kann man am Licht einfach beobachten. Operophtera brauch kein Warmzittern. Bei 5°C sind alle Enzymreaktionen auf das 0,125fache verlangsamt. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass da besondere Enzymformen nötig sind, bei 0°C den Stoffwechsel aufrecht zu erhalten. Wir sehen nur, dass es funktioniert. Genauso wie die Paarung bei den Temperaturen, obwohl ich das selbst noch nicht beobachten konnte.

Ein kleines Wunder der Natur, unser Kleiner Frostspanner!!!

Beiträge zu diesem Thema

Winterhärte bei Faltern? *Foto*
Re: Winterhärte bei Faltern?
Re: Winterhärte bei Faltern?
Flugfähigkeit bei winterfliegenden Nachtfaltern
Man könnte auch den Autor kontaktieren...
Re: den Autor kontaktieren...
Buch von Bernd Heinrich über Ausdauerleistungen von Mensch & Tier
Re: Bernd Heinrich angeschrieben
Re: Buch von Bernd Heinrich über Ausdauerleistungen von Mensch & Tier
Über die Frostspanner-Energiebilanz gibts auch einen Artikel auf deutsch
Re: Eulenfalter?
Es werden primär Eulen behandelt, es wird aber auch auf Frostspanner eingegangen *kein Text*
Re: Winterhärte bei Faltern?
Re: Wing loading
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Re: twitch = Zuckung? Vorläufige Einschätzung der Winterhärte in Operophtera
Re: Winterhärte bei Operophter, Abschluss.