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Neues Buch: PÄHLER, DUDLER & HILLE (2019): Das stille Sterben der Schmetterlinge

PÄHLER, DUDLER & HILLE (2019): Das stille Sterben der Schmetterlinge.

Abgesänge auf Schmetterlinge und andere Insekten gibt es viele - man kann es manchmal schier nicht mehr hören. Und es gibt auch nicht wenige Publikationen, die versuchen, sich nicht diesem "Schicksal" zu ergeben, sondern aktiv gegenzusteuern.

Doch dieses Buch ist anders, ganz anders! Es behandelt nur 37 Arten, und zwar keine Raritäten und keine (kurzfristig) vom Aussterben bedrohten Arten, sondern 37 Arten, die eines gemeinsam haben, dass sie nicht auf der Roten Liste stehen - oder dort allenfalls in regionalen Vorwarnlisten. Das ganz und gar Ungewöhnliche in deutschsprachigen Schmetterlingsbüchern: Das Kapitel "Methodik der Trendanalysen" nimmt fast 12 Seiten ein (S. 34-45) ...

Wer die beiden Bände "Die Schmetterlingsfauna von Ostwestfalen-Lippe und angrenzender Gebiete in Nordhessen und Südniedersachsen" von Pähler & Dudler (2010, 2013) kennt, dass sich die beiden Erstautoren seit Jahrzehnten intensiv mit der Erfassung der Vorkommen von Schmetterlingen beschäftigen, aber auch, dass sie sich Sorgen um die Rückgänge oder drohender Komplettverluste vieler Arten machen. Auch der Drittautor beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Schmetterlingen in der Region, aber Armin Dahl betont in seiner Besprechung vom 30. Januar 2020 (http://www.ag-rh-w-lepidopterologen.de/ ) das hier Entscheidende: "Dr. Axel Hille hat zudem als Biometriker ein ausgesprochenes Faible für Zahlen und Statistik". Die über Jahrzehnte erhobenen faunistischen Daten zu diesen häufigen Arten werden also nicht einfach kurz textlich interpretiert "etwa: "wird auch immer seltener"), sondern mit mathematisch-statistischen Verfahren sauber analysiert. Dies schlägt sich zunächst im jeweiligen "Phänologiemuster im Jahresverlauf" nieder, dann aber vor allem in den jeder Art beigefügten und textlich weiter erläuterten Grafiken "geglätteter Langzeittrend" und "log-linearer Trend" über die ganze Beobachtungsreihe von 43 Jahren (aufgeteilt in 2 Zeitperioden vor und nach 1990). Auch wenn man nicht statistik-affin ist - kann man dieser Visualisierung schnell entnehmen: die geglätteten Langzeittrends gingen für die meisten Arten leicht bis stark auf und ab, wobei die Abnahmetrends bei fast allen Arten über die Jahre hinweg deutlich bis sehr stark überwogen, die log-linearen Trends über die ganze Periode daher fast alle deutlich bis stark nach unten zeigen. Da die Autoren bei ihrer Dateninterpretation auch Effekte der Sonnenscheindauer im Frühling, Sommer, Herbst, Winter und genauso der Niederschläge (und zwar jeweils vom Jahr selbst und vom Jahr davor), statistisch abprüften, stehen diese Grafiken nicht einfach im luftleeren Raum, sondern haben "Hand und Fuß".

Ich finde diese erläuternden Texte höchst spannend und so macht es (zumindest mir) richtig Lust, die mathematisch-statistischen Hintergründe auch verstehen zu wollen. Man merkt: Da sind nicht zwei Feldentomologen, die einem Statistiker ihre Daten abliefern, und der macht dann irgendwas draus - nein, hier ist ein Dreierteam, von denen alle drei etwas von den Schmetterlingen verstehen und einer viel, die anderen über die Jahre hinweg zumindest ausreichend viel von modernen statistischen Untersuchungsverfahren für hochkomplexe nichtlineare Zusammenhänge bei Vorliegen sehr großer Datenmengen.

Es gibt bisher eine sehr begrenzte Vergleichsmöglichkeit mit entsprechenden Trends aus England, aber aus dem deutschsprachigen Raum kann nur Fehlanzeige gemeldet werden. Doch jetzt haben wir endlich die Möglichkeit, das für die entsprechenden Arten auch mal für andere Regionen mit ausreichender Datengrundlage durchzurechnen. So viel mir auf, dass Maniola jurtina in England einen ganz leicht positiven Trend aufweist, im (nord)westdeutschen Untersuchungsgebiet einen nur schwach negativen. In England wurde die Zunahme mit der Klimaerwärmung begründet, in Westdeutschland wurden Sonnenscheindauer, Temperatur und Niederschläge in der Untersuchungszeit immer mehr Richtung Optimum für diese Art verschoben, so dass negative Effekte der Landnutzung dadurch kompensiert wurden - in Baden-Württemberg oder Brandenburg würde ich da aufgrund der gleichen Effekte ganz andere Ergebnisse erwarten ...

Im Moment bleibt mir nicht mehr, als den Autoren zu diesem Buch zu gratulieren. super super Ich habe es am Mittwoch bekommen und etliche Passagen bereits mehrfach gelesen ... Das passte leider voll in meinen Impulsvortrag zum Thema Artenschwund bei Insekten auf einer Tagung am Donnerstag in Ravensburg.

Mehr hier in der Besprechung von Armin Dahl: http://www.ag-rh-w-lepidopterologen.de/

viele Grüße

Erwin Rennwald

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