Polyommatus coridon
Lepiforum: Bestimmung
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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Eine Moritat *Foto*
Antwort auf: Mein Gedanke hierzu ... ()

Guten abend, zusammen,

Tina, Du liegst mit Deiner Vermutung völlig richtig.

Bei den Tierchen handelt es sich um Puppen von Bombyx mori, die – in China als Reststoff der Seidengewinnung zum Lebensmittel deklariert – über eine Konservenfirma in Südkorea den Weg bis in einen asiatischen Supermarkt in Deutschland gefunden haben. Dort gehe ich immer wieder gern auf der Suche nach exotischen Köstlichkeiten vorbei. Kürzlich stapelten sich dort Dosen, von denen ich eine für 1,80 Euro kaufte (in den USA gibt es dieselbe Marke für mehr als 8 $).

Ich beschloss, der Sache unvoreingenommen auf den Grund zu gehen, indem ich vor der Zubereitung keine Youtube-Videos über den in Südkora beliebten Straßen-Snack Beondegi, in koreanischer Schrift 번데기, anschaute.

Nach dem Öffnen der Dose entströmt ihr ein recht intensiver, undefinierbarer Geruch, der durchaus etwas Lebensmittelartiges, aber auch etwas Muffiges hat. Die Puppen schwimmen in Wasser von trüb gelber Farbe, das ich abgoss, um sie danach in einem Sieb mit frischem Wasser zu duschen.

Der Verkäufer hatte mir die Zubereitung mit Knoblauch und Chili empfohlen. Ersterer verbietet sich mir an Wochentagen, also stellte ich mir nach eigenem Ermessen etwas zusammen: Rapsöl und etwas geröstetes Sesamöl, frischer Ingwer, frische Kurkuma, eine Schalotte, Chili, Pfeffer, Sojasauce.

Alles zusammen mit den 91 g (netto) Puppen in eine Pfanne:

Kaum war dieses Foto aufgenommen, begannen die Puppen wie Popcorn zu platzen und aus der Pfanne zu hüpfen, also schnell auf einen Teller damit!

Das Überraschende beim Essen war nicht der Geschmack, denn auf etwas recht Penetrantes hatte ich mich nach dem Geruch schon eingestellt. Die Konsistenz ist kurios: Außen nur wenig knackig – die Chitinhülle ist sehr dünn – und innen weich, ein bisschen Gries-artig. Ich hatte eher etwas Bissfestes wie Garnelen- oder Nordseekrabbenfleisch erwartet. Es mag meiner europäischen Sozialisation geschuldet sein: Ich konnte die Puppen nicht halbzerkaut herunterschlucken, sondern musste sie mühevoll zu Brei kauen, so dass es eine halbe Stunde dauerte, bis der Teller halb leer war.

Den ersten Bissen fand ich gar nicht so schlecht, doch dann setzte sich mehr und mehr die muffige Geschmacksnote durch, die ich intensiver empfand als den würzigen Geschmack der angebratenen Ingwer- und Kurkumascheibchen.

Erst nach dieser Erfahrung sah ich mir Netzvideos mit den Suchbegriffen Beondegi und 번데기 an, und fand, was ich befürchtet hatte: Man findet jede Menge Videos von angewiderten Touristen. So war es mir auch schon mit dem schwedischen Surströmming ergangen: Das Netz ist voll mit Kotz-Videos, und erst nach längerer Suche fand ich einen schönen Beitrag einer schwedischen Picknick-Gesellschaft, die zeigte, wie man diese Spezialität genießt. Die Kotzvideos empfinde ich als Beleidigung der Menschen, die mit der jeweiligen Spezialität aufgewachsen sind und sie lieben. Man muss ja nicht alles mögen, aber man kann andere Geschmäcker respektieren.

Mein Fazit: Surströmming liebe ich auch (wie angeblich die Hälfte der Schweden, die andere Hälfte soll ihn hassen), aber Beondegi ist nicht mein Ding, jedenfalls nicht nach diesem ersten Mal. Wie bei anderen strengen Geschmäckern, Oliven zum Beispiel, erschließt sich das Delikate vielleicht erst mit der Zeit.

@ Ursula: Sowohl in reifen Datteln als auch in den Blättern von Morus alba, der Raupenfutterpflanze des Seidenspinners, ist 4-,5-Hydroxypipecolinsäure enthalten, ein aromatischer Kohlenwasserstoff mit einem C6-Ring, in dem ein Kohlenstoffatom durch ein Stickstoffatom ersetzt ist. Die meisten (alle?) aromatischen Kohlenwasserstoffe haben, wie das Adjektiv schon sagt, einen Geruch. Ob er muffig ist, werde ich wissen, wenn ich Blätter von Morus alba probiert habe, die es als Tee geben soll.

@ Josef: Die TC-Puppe sieht frappierend ähnlich aus.

@ Uwe und Egbert: Nach diversen Internetquellen, auch der Website unseres Ehrenmitglieds Walter Schön schmetterling-raupe.de, können die durch die tausende Jahre lange Zucht weit von der Naturform wegentwickelten Falter nur noch flattern, aber nicht mehr fliegen.

@ Tina: Ich habe noch etwas davon im Kühlschrank.

@ Herbert Fuchs: Du bist anscheinend zur Zeit abwesend, sonst wärst Du doch sicher nach Deinem Beitrag http://www.lepiforum.de/2_forum_2017.pl?page=1;md=read;id=2096 von vor fünf Tagen auf den Hinweis „Für Rätselfüchse“ im Ausgangsbeitrag angesprungen ;)

Viele Grüße und danke an alle die (sichtbar oder unsichtbar) mitgerätselt haben!

Jürgen

Beiträge zu diesem Thema

Puppe für Rätselfüchse *Foto*
Ventralansicht *Foto*
Re: Erinnert mich an Trockenobst... :) Liebe Grüsse *kein Text*
Wenn Du Datteln meinst: Chapeau! LG *kein Text*
Vielleicht TC? LG Josef *kein Text*
Die Puppe von Trichiura crataegi ...
Fliegt die Art dennoch im Herbst? *kein Text*
Die Imago gibt es (auch) im Herbst. *kein Text*
Aber so richtig fliegen können die nicht, oder? *kein Text*
So ist es. Deshalb schrieb ich "gibt es". VG *kein Text*
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Mein Gedanke hierzu ...
Eine Moritat *Foto*
Re: Ich war gerade bei "natürliches und gesundes Nahrungsmittel für Koi" ...
Re: Eine gute (Mori-)Tat vor Weihnachten ...