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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Re: An die Pestizide glaube ich weiterhin nicht ...

Hallo Thomas,

bei diesem Satz von dir wird´s interessant : "An die Pestizide glaube ich weiterhin nicht ..."
Hast du da irgendwelche Aufsätze, Untersuchungen, Studien etc. dazu, die du mir digital zugänglich machen kannst ?
Oder sagt dir das dein Bauchgefühl, das auf deiner beträchtlichen Erfahrung beruht ?
Die Aussage find ich sehr spannend und vertiefende Ausführungen würden mich sehr interessieren.

Schöne Grüße auf diesem Lepiforums-Umweg an dich, der du ca. 500 m entfernt von mir im Büro sitzt.

Ralf

Hallo Ralf,

die Thematik ist ja vielschichtig und reichlich komplex, allerdings sind die Zusammenhänge eigentlich ziemlich logisch. Es handelt sich bei mir eher um Erfahrungswerte und Gespräche mit Experten, Untersuchungen/Studien gehen oft in die "andere" Richtung.

Mit den großen Problemen, die teilweise miteinander zusammenhängen, wie intensive Landnutzung, Stickstoff bzw. generell Nährstoffe, Habitatverlust durch Nutzungsaufgabe/Sukzession und Verinselung durch vormals genannte Faktoren und Straßen-/Siedlungsbau, kann man das "Insektensterben" aus meiner Sicht bereits vollständig erklären. Dazu braucht es keine Pestizide mehr. Es mag ja durchaus sein, dass diese eine Rolle spielen, es wird aber in der aktuellen Diskussion so dargestellt, als ob dies der Hauptfaktor sei, was definitiv nicht so ist. Die Verbände wie NABU und BUND hängen sich dran und plötzlich entsteht daraus eine öffentliche Meinung, die in den Medien kursiert. Auch das neue Biodiv-Stärkungsgesetz in BW zielt ja vor allem darauf ab. Das ist aus meiner Sicht gefährlich, weil wichtigere Faktoren dadurch hinten runterfallen. Beispielsweise gibt es vom NABU Vortragsvorlagen, die das Insektensterben detailliert betrachten, der Faktor "Habitatverlust durch Nutzungsaufgabe und Sukzession" aber überhaupt keine Rolle spielt.

Viel wichtiger als ein Pestizid-Verbot in Naturschutzgebieten wären z. B. strenge Auflagen, was die Düngung betrifft. Nährstoffarme Lebensräume sind extrem im Mangel, der Großteil unseres Grünlandes wird mit Gülle oder Gärresten aus der Biogasanlage "versorgt". Die daraus resultierenden 3-6-Schnittwiesen bieten für die allermeisten Tagfalterarten keinen Lebensraum mehr. Die benachbarten Grenzertragsstandorte werden nicht mehr oder nur noch unzureichend bewirtschaftet, hier kommt es zur Verbrachung und letztlich zur Sukzession. Das Ganze wird beschleunigt durch Stickstoffdepositionen aus umgebenden Flächen und aus der Luft. Das macht uns z. B. auf der Alb den Habitatverbund der Trockenstandorte kaputt, weil die ganzen Kleinsthabitate (Böschungen, Geländekanten, Verkehrsnebenflächen) nicht mehr bewirtschaftet werden. Das wiederum führt irgendwann zur starken Isolation der "Naturschutzflächen", wie es in ganzen Naturräumen bereits der Fall ist. Das ist dann der Anfang vom Ende, denn wenn die Habitate an sich nicht groß genug sind (und das müssten dann schon einige Dutzend Hektar sein), werden die Tagfalterarten früher oder später aufgrund von ungünstigen Witterungsverhältnissen oder einmaligen Ereignissen sowieso aussterben. Da kann man das kleinflächige, isolierte Habitat dann noch so gut pflegen/schützen, so funktionieren die meisten Tagfalterarten einfach nicht.

Noch ein Beispiel, das gegen die Pesitzid-Hypothese spricht: Im württembergischen Allgäu gibt es einen sehr krassen Kontrast zwischen Extensivflächen (meist Streuwiesen) und intensivst genutztem Grünland (5-6-Schnittwiesen) und Äckern (vornehmlich Mais für Biogas). Regional ist aber noch ein guter Verbund an Streuwiesen vorhanden (ca. alle 500-1000 m Luftlinie). Die Flächen sind meist sehr arten- und individuenreich trotz direkt benachbarter Intensivlandwirtschaft. Gehe ich aber an die Peripherie des Streuwiesengürtels sind die Habitate deutlich arten- und individuenärmer trotz teilweise guter Habitateigenschaften. Hier schlägt wieder der Faktor "Isolation/fehlender Austausch" durch.

Soviel erstmal,

viele Grüße Thomas

Beiträge zu diesem Thema

Wenig Tagfalter in diesem Jahr ?
Eifel
Ja, es ist beängstigend. Ob wir auch bald dran sind? Soylent Green? *kein Text*
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Re: Wenig Tagfalter in diesem Jahr ?
Re: Wenig Tagfalter in diesem Jahr ?
An die Pestizide glaube ich weiterhin nicht ...
Re: An die Pestizide glaube ich weiterhin nicht ...
Super, Thomas, vielen Dank ...
Re: Wenig Tagfalter in diesem Jahr ?
Re: Wenig Tagfalter in diesem Jahr ?