Polyommatus coridon
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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Celastrina argiolus – sehr gutes Jahr 2020 *Foto*

Hallo zusammen,

zu den in diesem Jahr sehr gut vertretenen Spezies gehört Celastrina argiolus. Er ist mir an vielen Stellen begegnet. Hier beschränke ich mich exemplarisch mal auf zwei Habitate mit hoher Beobachtungsdichte, nämlich den heimischen Garten und das ehemalige Munitionsdepot im Hünxer Wald.

Erstes Habitat: Im insektenfreundlichen Garten gehört Celastrina argiolus zu den ständig anwesenden Tagfaltern. Dieses Jahr haben wir die ersten beiden Exemplare am 18. März beobachtet, und danach bis Anfang Mai bei Flugwetter täglich mehrere, bis zu drei gleichzeitig herumfliegend. Auffallend war in diesem Jahr die ungewöhnlich hohe Zahl an Schlupfdefekten bei der g1 (Bild 1, 3, 4). Einigermaßen rätselhaft, aber das machte die Individuen unterscheidbar. Manche waren mehr als eine Woche immer wieder zu sehen, andere wurden nur einmal erkannt.

Bild 1: Weibchen mit verkrüppelten Flügel auf Lorbeerkirsche am 31. März.

Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Dinslaken, Innenstadt, insektenfreundlicher Garten, 28 m, 31. März 2020, Tagfund (Freilandfoto: Bernhard Stoeckhert)

Bild 2: Schon am 4. April abgeflogenes Männchen.

Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Dinslaken, Innenstadt, insektenfreundlicher Garten, 28 m, 4. April 2020, Tagfund (Freilandfoto: Bernhard Stoeckhert)

Bild 3: Männchen mit Schlupfdefekt am 19. April.

Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Dinslaken, Innenstadt, insektenfreundlicher Garten, 28 m, 19. April 2020, Tagfund (Freilandfoto: Bernhard Stoeckhert)

Bild 4: Verkrüppeltes Weibchen am 20. April.

Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Dinslaken, Innenstadt, insektenfreundlicher Garten, 28 m, 20. April 2020, Tagfund (Freilandfoto: Bernhard Stoeckhert)

Eiablageverhalten der g1 war in den vergangenen Jahren im Garten vor allem an Faulbaum und an Glyzinie zu beobachten, fast immer in mehreren Metern Höhe. Die Präimaginalstadien habe ich daher noch nie gesehen. Dieses Jahr war der Faulbaum sehr spät dran. Im ersten Teil der Flugzeit gab es noch keine geeigneten Knospen. Also blieb die Glyzinie. Wenn die Weibchen, wie in anderen Jahren, die große Glyzinie am Haus zur Eiablage genutzt haben sollten, dann hat das vermutlich zu einem Totalausfall geführt. Die weit entwickelten Knospen sind bei einem Nachtfrost alle erfroren. Beobachtet habe ich die Weibchen danach mehrfach bei verdächtigem Verhalten an der Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus), die auch immer ein beliebter Platz zum Sonnen für beide Geschlechter ist. Wahrscheinlich war das der Ersatz für die erst nachtreibende Glyzinie und den verspäteten Faulbaum.

Bild 5: Habitat Garten zur Flugzeit von g1 im April 2020, rechts außerhalb des Bildes die Lorbeerkirsche mit dem Beobachtungsstuhl davor.

Die ersten Falter der Sommergeneration g2 flogen am 8. Juni im Garten und sind seitdem ständig zu beobachten, gefühlt aber in etwas geringerer Zahl als die Falter der g1. Eiablage habe ich dieses Jahr noch nicht gesehen, habe aber auch nicht darauf geachtet und war viel unterwegs. In anderen Jahren erfolgte sie im Juni an Knospen von Efeu oder Hopfen, wie immer in mehreren Metern Höhe. Nach einer Pause im Juli flogen dann ab Mitte August noch einige Falter, vermutlich in dem Fall eine g3.

Zusammenfassung: Im Garten 2020 eine ungewöhnlich starke g1 und eine etwas schwächere (normale) g2, möglicherweise die Folge von Verlusten in den erfrorenen Glyzinien-Knospen. Für die g1 ist Glyzinie hier offenbar bevorzugte Eiablage-Pflanze, neben Faulbaum und in diesem Jahr ersatzweise (?) Lorbeerkirsche.

Zweites Habitat: Im ehemaligen Munitionsdepot im Hünxer Wald zeigte sich g1 im April in niedriger Dichte. Meistens habe ich nur einen oder allenfalls zwei Falter auf rund 10 km Wegstrecke gesichtet, manchmal gar keinen. So war es mit g1 auch andernorts in den Wäldern der Umgebung. Nur Einzelbeobachtungen, also normal.

Am 9. Juni flogen mit ganzen zwei Pieris sp. extrem wenige Tagfalter im Munitionsdepot, auch kein Celastrina argiolus. Danach war ich zwei Wochen nicht dort. Erneute Begehungen am 24., 25. und 26. Juni ergaben dann ein überwältigendes Bild, Celastrina argiolus in extrem hoher Dichte, der mit Abstand häufigste Tagfalter. Am Nachmittag des 24. Juni bin ich auf meiner Standard-Strecke entlang der asphaltierten Wege auf an die hundert Sichtungen gekommen, bis zu drei Falter gleichzeitig im Blick. Am 25. Juni habe ich dann auch vier gleichzeitig fliegen sehen, und am 26. Juni sogar einmal fünf Exemplare! Wohlgemerkt, nur in einer Richtung schauend und auf einen Blick.

Auffällig ist das Verhalten in diesen Tagen. Die Falter fliegen – anders als sonst - überwiegend in Bodennähe und saugen bevorzugt an feuchten Wegstellen (Bild 6) oder in der Bodenstreu, häufig im Schatten. Dabei kommt es vor, dass zwei Männchen einträchtig eine ganze Zeit dicht nebeneinander am selben Platz sitzen (Bild 7). Die beiden Individuen waren auch eine Stunde später immer noch an gleicher Stelle. Ruheplätze in der Vegetation sind natürlich auch beliebt (Bild 8), werden aber nur vergleichsweise kurzzeitig genutzt.

Bild 6: Männchen am Rand der asphaltierten Straße.

Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Hünxe, ehemaliges Munitionsdepot, 50 m, 25. Juni 2020, Tagfund (Freilandfoto: Bernhard Stoeckhert)

Bild 7: Zwei Männchen am Rand der asphaltierten Straße.

Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Hünxe, ehemaliges Munitionsdepot, 50 m, 25. Juni 2020, Tagfund (Freilandfoto: Bernhard Stoeckhert)

Bild 8: Männchen in der Vegetation etwa ein Meter über dem Boden.

Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Hünxe, ehemaliges Munitionsdepot, 50 m, 25. Juni 2020, Tagfund (Freilandfoto: Bernhard Stoeckhert)

Ein Weibchen zeigte am 25. Juni ausgiebig Eiablageverhalten an Johanniskraut (andernorts schon beobachtet?). Auf den Flächen vor den Bunkern steht es in voller Blüte, aber seitlich unter überhängenden Sträuchern ist es noch nicht aufgeblüht. Dort inspizierte das Weibchen eine halbe Stunde lang auf mehreren Metern Weglänge Pflanze um Pflanze und legte offenbar an die Knospen (Bild 9 bis 11).

Bild 9-11: Weibchen bei der Eiablage an Johanniskraut.


Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Hünxe, ehemaliges Munitionsdepot, 70 m, 25. Juni 2020, Tagfund (Freilandfoto: Bernhard Stoeckhert)

Zum Schluss noch das Habitat im Munitionsdepot, beide Typen gleichermaßen dicht besiedelt. Einerseits je nach Breite der Waldmäntel mehr oder weniger beschattete Wege mit Säumen, die sich auf den Asphalt vorschieben (Bild 12), andererseits vollsonnige Flächen vor den Bunkern mit hochgewachsenem Brombeergestrüpp und lückiger Vegetation auf Beton, vor allem Johanniskraut entlang der Fugen (Bild 13). Celastrina argiolus ist in beiden Habitat-Typen gleichermaßen aktiv. Als Saugpflanze bevorzugt er anscheinend zurzeit die Brombeere; meistens rüsselt er aber am Boden, gerne im Schatten.

Bild 12: Schattiger Weg im Munitionsdepot. Celastrina argiolus fliegt hier dicht über dem Boden im Schatten und sitzt auf dem Asphalt. Limenitis camilla legt an beschatteter Roter Heckenkirsche links am Wegrand.

Bild 13: Sonnige Plätze vor den Bunkern im ehemaligen Munitionsdepot, mit reichlich Johanniskraut entlang der Fugen im Betonboden. Eiablage wurde am 25. Juni 2020 an weniger weit entwickeltem Johanniskraut unter den Büschen beobachtet.

Zusammenfassung: Im ehemaligen Munitionsdepot 2020 eine schwache (eigentlich normale!) g1 und eine überaus starke g2 mit untypischem Verhalten und beobachteter Eiablage an Johanniskraut. Andere potentielle Eiablage-Pflanzen stehen im Munitionsdepot reichlich zur Verfügung. Der in anderen Jahren bevorzugte Blutweiderich ist dieses Jahr aber (noch?) nicht entsprechend entwickelt.

Begleitarten im Munitionsdepot sind derzeit: Apatura iris, Limenitis camilla, Nymphalis polychloros, Pyrameis atalanta, Inachis io, Arschnia levana (Erstsichtung einer prorsa am 26. Juni), Polygonia c-album (zweithäufigster Tagfalter nach Celastrina argiolus), Ochlodes sylvanus (ähnlich häufig wie P. c-album), Maniola jurtina, Aphantopus hyperantus, Gonepteryx rhamni, Pieris rapae, Pieris brassicae.

Grüße in die Runde,

Bernhard

Beiträge zu diesem Thema

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Re: Celastrina argiolus – Eiablage an Hypericum und Melilotus *Foto*
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Celastrina argiolus fliegt Ende Juli immer noch (für die Art) extrem zahlreich *Foto*