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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Der Östliche ganz im Westen – Pontia edusa am Niederrhein *Foto*

Hallo zusammen,

der Reseda-Weißling ist mir in Mitteleuropa in diesem Jahr überhaupt zum ersten Mal begegnet, und zwar ein frisches Weibchen (wahrscheinlich sogar zwei) am 21. Juni im NSG Ammerfeld bei Aschfeld in Mainfranken, und am 7. August zwei ebenfalls so gut wie frische Exemplare am Görauer Anger in der nördlichen Frankenalb. Vielleicht habe ich jahrelang nur viel zu wenig auf die Weißlinge geachtet….

Aber jetzt geht's um den Westen, den Niederrhein.

Am 13. Juli war meiner Frau bei der Arbeit auf der Großbaustelle Emscher-Mündung so nebenbei ein Weißling aufgefallen, den sie mit dem Handy dokumentiert und mir zwei Tage später als ihr unbekannt vorgeführt hat. Die Belegfotos zeigten zu meiner Überraschung ein recht frisches Weibchen von Pontia edusa. Dem Zustand nach war es an Ort und Stelle geschlüpft. Passendes Wetter und Zeit für meine eigene Inspektion der Baustelle war erst am 18. Juli. Tatsächlich, immerhin ein abgeflogenes Exemplar von Pontia edusa ließ sich sehen. Das am 13. Juli beobachtete Weibchen war also kein Einzelfall. Bild 1 zeigt das Habitat.


Bild 1: Habitat Baustelle Emschermündung am 18. Juli 2020, hinten das stillgelegte Kraftwerk Voerde, ganz links der Rhein.
Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Dinslaken-Eppinghofen, Baustelle Emschermündung, Habitat von Pontia edusa, 25 m, 18. Juli 2020 (Foto: Bernhard Stoeckhert)

Zwei Tage später, am 20. Juli, habe ich etwa 7 km rheinabwärts von der Emschermündung (für den Atlas: Messtischblatt 4406/1) auf rund 3 km Deichlänge zwischen Mehrum und Ork (Messtischblatt 4405/2) bei vier Stunden Beobachtungszeit keine einzige Pontia edusa gesehen (dafür zum Ausgleich viele Schwalbenschwänze). Ebenso Fehlanzeige war auch am nächsten Tag, 21. Juli, im Baustellenbereich an der Emschermündung.

Im August war ich unterwegs und nicht am Rhein, erst wieder im September. In einem Teil des besagten Abschnitts zwischen Mehrum und Ork (Bilder 3 bis 5) muss der Deich gegen Ende August von den Schafen (Koppelhaltung) beweidet worden sein, was die dritte Generation von Papilio machaon offenbar stark dezimiert hat.

Am 7. September begegneten mir zwischen Mehrum und Ork zwei Exemplare von Pontia edusa, am 10. September sechs, am 11. September fünf, am 15. September ein einzelnes ziemlich abgeflogenes Weibchen mit Eiablageverhalten, und gestern am 18. September wieder insgesamt vier Individuen in zwei verschiedenen Abschnitten des Deichs. Fast alle Falter waren eindeutig Weibchen, Balz und Kopula nicht zu beobachten, Eiablageverhalten dagegen immer wieder.


Bild 2: Habitat Rheindeich bei Mehrum, 7. September 2020
Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Voerde, Rheindeich zwischen Mehrum und Ork, Habitat von Pontia edusa, 25 m, 7. September 2020 (Foto: Bernhard Stoeckhert)


Bild 3: Habitat Rheindeich zwischen Mehrum und Ork, 15. September 2020
Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Voerde, Rheindeich zwischen Mehrum und Ork, Habitat von Pontia edusa, 25 m, 7. September 2020 (Foto: Bernhard Stoeckhert)


Bild 4: Habitat Rheindeich zwischen Mehrum und Ork, 11. September 2020
Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Voerde, Rheindeich zwischen Mehrum und Ork, Habitat von Pontia edusa, 25 m, 11. September 2020 (Foto: Bernhard Stoeckhert)


Bild 5: Vegetation in den zur (?)Eiablage bevorzugten Bereichen am Rheindeich zwischen Mehrum und Ork, 15. September 2020
Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Voerde, Rheindeich zwischen Mehrum und Ork, Habitat von Pontia edusa, 25 m, 15. September 2020 (Foto: Bernhard Stoeckhert)

Auf benachbarten Abschnitten des Deichs entlang des Rheins rheinaufwärts von der Emschermündung bis Duisburg-Walsum, wie auch auf den weiten Ruderalflächen rheinabwärts an der Lippemündung in Wesel habe ich im September - bei allerdings nur je einer Inspektion - keine Pontia edusa gesehen.

Gute Bilder von den Faltern sind nicht gelungen; da hatte ich kein Glück und windig war´s auch noch. Aber man sieht wenigstens, was sie so treiben und wo.


Bild 6: Nektar-Aufnahme an Hieracium
Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Voerde, Rheindeich zwischen Mehrum und Ork, 25 m, 10. September 2020, Tagfund (Freilandfoto: Bernhard Stoeckhert)


Bild 7: Nektar-Aufnahme an Geranium
Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Voerde, Rheindeich zwischen Mehrum und Ork, 25 m, 10. September 2020, Tagfund (Freilandfoto: Bernhard Stoeckhert)


Bild 8: Nektar-Aufnahme an Cirsium arvense
Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Voerde, Rheindeich zwischen Mehrum und Ork, 25 m, 7. September 2020, Tagfund (Freilandfoto: Bernhard Stoeckhert)


Bild 9: Abflug nach Nektar-Aufnahme an Centaurea
Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Voerde, Rheindeich zwischen Mehrum und Ork, 25 m, 10. September 2020, Tagfund (Foto: Bernhard Stoeckhert)


Bild 10: Nektar-Aufnahme an Achillea millefolium
Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Voerde, Rheindeich zwischen Mehrum und Ork, 25 m, 11. September 2020, Tagfund (Freilandfoto: Bernhard Stoeckhert)


Bild 11: Weibchen im Suchflug
Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Voerde, Rheindeich zwischen Mehrum und Ork, 25 m, 10. September 2020, Tagfund (Freilandfoto: Bernhard Stoeckhert)


Bild 12: Weibchen im Suchflug
Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Voerde, Rheindeich zwischen Mehrum und Ork, 25 m, 11. September 2020, Tagfund (Freilandfoto: Bernhard Stoeckhert)


Bild 13: Weibchen im Suchflug
Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Voerde, Rheindeich zwischen Mehrum und Ork, 25 m, 15. September 2020, Tagfund (Freilandfoto: Bernhard Stoeckhert)


Bild 14: Weibchen im Suchflug
Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Voerde, Rheindeich zwischen Mehrum und Ork, 25 m, 15. September 2020, Tagfund (Freilandfoto: Bernhard Stoeckhert)

Die nahezu ununterbrochenen Suchflüge dauerten bis zu einer halben Stunde. Eindeutig bevorzugt wurden die magersten Bereiche des Deichs mit vielen kleinen offenen Bodenstellen. Auf denen ließen sich die Weibchen immer wieder nieder, aber nur für Sekunden. Wenn es dabei zur Eiablage gekommen sein sollte, dann geht das bei Pontia edusa sehr schnell. An was sie in den offenen Bodenstellen gelegt haben könnten, war für mich nicht zu erkennen. Allen diesen Stellen gemeinsam sind aber anscheinend spärliche junge Blättchen, wie in Bild 15 zu sehen. Keine Ahnung was daraus wird, und ob das überhaupt die potentielle Futterpflanze ist.


Bild 15: Offene Bodenstelle, auf der das Weibchen für Sekunden gelandet war; leider schon bewegungsunscharf im Abflug.
Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Voerde, Rheindeich zwischen Mehrum und Ork, 25 m, 10. September 2020, Tagfund (Freilandfoto: Bernhard Stoeckhert)

Gleichzeitig flogen am Deich einige Pieris rapae und vereinzelt Pieris napi. Von denen konnte ich mit der Zeit Pontia edusa schon auf die Entfernung mit guter Trefferquote am Flugstil unterscheiden. Pontia edusa fliegt tendenziell weniger erratisch, nicht so zappelig wie besonders Pieris rapae, sondern sucht das Gelände eher systematisch mit geraden Flugstrecken dicht über dem Boden ab, wirkt dabei im Vergleich ebenso lässig wie planvoll. Längere Phasen der Nektaraufnahme wechseln bei den Weibchen mit Phasen, in denen es nur um die Suche nach geeigneten Eiablagestellen geht. Gesaugt wird opportunistisch an allem was sich gerade anbietet. Besonders häufig wurden Hieracium, Cirsium arvense, Achillea millefolium, Geranium und Centaurea aufgesucht.

Fazit: Die Juli-Falter dürften schon die dritte (?) Generation repräsentiert haben, die Falter Anfang September die vierte. Bei anhaltend warmem Wetter gibt es in der zweiten Oktober-Hälfte vielleicht sogar noch eine fünfte. In der Literatur wird die Entwicklungszeit von der Eiablage zum Falter mit vier bis fünf Wochen angegeben. Schaun wir mal.

Am Rheindeich war ich seit fünfundzwanzig Jahren zu allen Jahreszeiten unterwegs, habe aber Pontia edusa dort vor 2020 noch nie bemerkt.

Bin neugierig: Wie sah es denn 2020 an anderen Orten mit Pontia edusa aus?

Grüße in die Runde,

Bernhard

Beiträge zu diesem Thema

Der Östliche ganz im Westen – Pontia edusa am Niederrhein *Foto*
Pontia edusa auch schon 2018/2019 am Niederrhein
Re: Pontia edusa auch schon 2018/2019 am Niederrhein