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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Aricia agestis: jetzt auf zur Raupensuche! *Foto*

Hallo liebe Forumisten,

wie die meisten von euch ahnen dürften, ist mein Interesse an Tagfaltern ... begrenzt. (Ja, trotz meiner Distelfalteranfrage vor einigen Tagen! Ich habe beim Schreiben überlegt, ob ich mich deshalb schämen sollte. Aber, liebe Nachtfalterer: ich werde euch nicht abtrünnig, keine Sorge!)

Dennoch: für einige Raritäten erwärmt sich mein Herz doch. Und auch wenn die Süddeutschen unter euch es vielleicht nicht glauben können: Aricia agestis gehört hier definitiv dazu.

An meinem Wohnort habe ich diese Art erst zwei Mal beobachten können: einmal so zu Beginn meiner Schmetterlingsbegeisterung, dass ich es damals noch nicht notiert habe (2013...?), und einmal in diesem Jahr:

Deutschland, Niedersachsen, Ortsrand Rodenberg, 70 m, Streuobstwiese in Gewässernähe, 18. Juli 2020, Abendfund (det. & Freilandfoto: Tina Schulz)

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Bei zeitlich so weit auseinander liegenden Einzelbeobachtungen glaube ich nicht wirklich an eine Bodenständigkeit. Dementsprechend hatte ich Null Erwartungen in diese Richtung, als ich gestern Nachmittag ein bisschen auf dieser Streuobstwiese herumstreunte. Ich fand zwei interessante Mikro-Raupen an Weide, knipste hier eine Fliege, dort eine Wespenkönigin, und war völlig arglos, als ich direkt vor meinen Knien plötzlich DAS erspähte:

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Obwohl keine Raupe vor Ort war, geriet ich völlig aus dem Häuschen, küsste nahezu den Boden, na, man kann es sich vorstellen.
Seit Jahren denke ich darüber nach, wie schön es doch wäre, die Raupe von Aricia agestis zu finden, und habe auch immerhin schon den einen oder anderen eher halbherzigen, erfolglosen Versuch hinter mir (erst vergangenen Samstag - 10. Oktober - den letzten: an Reiherschnabel auf einem Bahnhof, wo ich in diesem Jahr einen Falter beobachtet hatte).

Obgleich ich schon etwas durchgeforen war, führte mir dieser Fund mächtig frische Energie zu (Tina + Aricia-agestis-Raupen -> exotherme Reaktion) und so ersuchte ich in der folgenden Dreiviertelstunde ein halbes Dutzend Babyraupen an Storchschnabel.

Es sollte sich um Geranium cf. molle handeln, sofern man G. aequale, der wie ich mir sagen ließ, sehr selten sein soll, außer Acht lässt.
(G. pyrenaicum kann ich ausschließen, weil ich diese Wiese genug kenne und G. pyrenaicum genug liebe, um zu wissen, dass er an speziell dieser Stelle nicht wächst. G. pusillum kommt aufgrund der abstehenden Behaarung der Blattstiele als Möglichkeit nicht infrage. Und G. rotundifolium soll eine andere Blattform besitzen.)
Bei Gelegenheit werde ich versuchen, diese Hypothese im kommenden Frühjahr mit Blütenmerkmalen zu untermauern.

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Einige Befallsbeispiele folgen. Nummer zwei:

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Befallsbild drei. Die Raupe würde ich vorsichtig im zweiten Kleid (L2) verorten, wie die meisten der gefundenen Exemplare. 2,5 mm misst sie.

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Beispiel vier.

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Ja, richtig, auch da ist die Raupe eben am Fressen!

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Befallsbild fünf.

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Befallsbild sechs.


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Beispiel sieben. Diese Raupe war etwas größer, also wohl ein Stadium weiter als die anderen, nach meiner Schlussfolgerung L3. Und detwa 3 mm lang.

Das war der einzige Fall, wo das Fraßblatt weit genug vom Boden abstand, sodass die Raupe unmanipuliert fotografiert werden konnte.

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Es gab auch hie und da Fliegen-Minen am Storchschnabel zu finden, die aber kaum verwechselbar sein dürften.

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Das Biotop ist eine mesophile oder frische Wiese, mit Übergängen zur feuchten Wiese (denke ich), da der Lehmboden vor allem in der kalten Jahreszeit zu Staunässe neigt, was es beispielsweise einigen Binsen (Juncaceae) und einem kleinen Tuff Kuckucks-Lichtnelken (Silene flos-cuculi) erlaubt hat, sich anzusiedeln und zu halten.

Der Fundort der Bläulingsraupen ist ein sanft geschwungener Wall am Rand der Wiese (links ein Regenrückhaltebecken; rechts fällt das Gelände zu einem geschotterten Parkplatz ab) und daher etwas trockener.

Deutschland, Niedersachsen, Ortsrand Rodenberg, 70 m, Streuobstwiese in Gewässernähe, Raupen an Blattunterseiten von Geranium cf. molle, 14. Oktober 2020 (det. & Freilandfotos: Tina Schulz)

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Obwohl mein Körper recht schnell gegen den unangenehm peitschenden Nordwind, die einstelligen Plusgrade und das Herumgerutsche in der nassen Wiese aufbegehrte, konnte ich mich nicht loseisen.
Mein streikender Kamera-Akku hat mir schlussendlich die Entscheidung abgenommen. Aber die in der warmen Stube neu aufflammende Begeisterung hat mich schnell wieder auf Betriebstemperatur gebracht.

Euch Suchenden wünsche ich besseres Wetter und ebensolchen Erfolg! :)

Schönen Gruß,
Tina.

Beiträge zu diesem Thema

Aricia agestis: jetzt auf zur Raupensuche! *Foto* Bestimmungshilfe
Aricia agestis auf Kalkmagerrasen: noch überwiegend Eier *Foto*
Re: Aricia agestis auf Kalkmagerrasen: noch überwiegend Eier
Wow Tina klasse! Du hast mich schon angesteckt! :) - gehe die Tage mal auf Suche *kein Text*
Viel Erfolg! :) *kein Text*
Weitere Habitatfotos *Foto* Bestimmungshilfe