Polyommatus coridon
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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Re: Raupenleuchten - Augenfalter?

Hallo Jonathan,
gemessen an der lokalen Häufigkeit von Schachbrett, Großem Ochsenauge oder Kleinem Wiesenvögelchen ist es schon etwas erstaunlich, wie selten von diesen Arten Raupen gefunden und gemeldet werden. Es liegt daran, dass man Augenfalterraupen nicht "einfach mal so" findet, wie Raupen von Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs, Brombeerspinner, Rostbär, Hausmutter und all den anderen Arten mit auffälligen oder laufaktiven Raupen.

Satyrinenraupen sind äußerlich an ihr Larvalhabitat perfekt angepasst ("getarnt") und fast so immobil wie eine Pflanze. Man muss deshalb gezielt nach ihnen suchen - im richtigen Gebiet, im passenden Vegetations- und Strukturtyp, an geeigneten Grasarten - die meisten fressen draußen keineswegs nur "irgendwelche" Gräser - zur richtigen Jahres- und auch Tageszeit. Dann allerdings ist es bei einigen Arten nicht allzu schwer, sie zu entdecken. Nachtaktive Augenfalterraupen, die man mit einer Taschen- oder Stirnlampe v. a. im Frühling durch das Ableuchten der passenden Grasarten finden kann, sind Schachbrett, Schornsteinfeger, Rotbraunes Ochsenauge, Weißer Waldportier, Blaukernauge, Großer Waldportier oder Berghexe. Raupen des Großen Ochsenauges zu "erleuchten", ist schon schwieriger. Da habe ich bessere Ergebnisse durch nächtliches Käschern im April/Mai erzielt. Voraussetzung für den Sucherfolg ist, dass man das Larvalhabitat der gesuchten Art genau kennt: Schachbrett, Schornsteinfeger: ungemähte, streureiche Altgrasbestände (z. B. entlang von Böschungen, Zäunen); Großes Ochsenauge: gemähtes/beweidetes Extensivgrünland u.s.w..

Raupen der Gattung Coenonympha (Wiesenvögelchen) sucht man tagsüber. Alle heimischen Coenonympha-Raupen sind (auch) tagaktiv ( z. B. http://www.lepiforum.de/2_forum_2017.pl?page=1;md=read;id=13887 ).

Wenn man (wie ich) eher ein Tag-, als ein Nachtmensch ist, kann man natürlich auch versuchen, die Raupen der nachtaktiven Augenfalter bei Tageslicht in Grashorsten oder unter Streu aufzuspüren. Das ist allerdings mühsam und man muss oft schon zufrieden sein, wenn man in gut besetzten Larvalhabitaten - knieend oder liegend - nach 1-2 Stunden wenigstens 1 Raupe der gesuchten Art gefunden hat (z. B. http://www.lepiforum.de/2_forum_2013.pl?page=1;md=read;id=25810 ). Woran ich bisher allerdings fast immer gescheitert bin, ist das Auffinden häufiger Augenfalterraupen mitten im Winter. Während man etwa Schachbrettfalter-Raupen mit beginnender Fraßaktivität ab März durchaus tagsüber unter alter Grasstreu findet, ist mir das zwischen Dezember und Februar nie gelungen. Offenbar ziehen sie sich in dieser Zeit in die obersten Bodenschichten oder tief in dichte Grashorste zurück (falls Jemand andere Erfahrungen diesbezüglich gemacht hat, wäre ich daran interessiert). Nächtliches Leuchten im Winter macht bei Augenfalterarten mit echter Diapause keinen Sinn. Denn solange die Raupe nicht frisst, ist sie in der Regel verborgen und dann auch nachts unauffindbar.

Es gibt Ausnahmen: So kann man Raupen des Mauerfuchses auch im Januar noch finden, weil diese an milden Wintertagen mitunter fressen. Voraussetzung ist aber auch hier, das Larvalhabitat der Lasiommata-Arten genau zu kennen. Die drei in D vorkommenden Arten nutzen zur Eiablage und Larvalentwicklung gut besonte, trockene, vor Nässe geschützte Plätze an der Basis von Vertikalstrukturen, wie Mauern, krumme Bäume oder überhängende Böschungen (z. B. http://www.lepiforum.de/2_forum.pl?md=read;id=76997 oder http://www.lepiforum.de/2_forum_2013.pl?md=read;id=12641 http://www.lepiforum.de/2_forum.pl?md=read;id=23922). Auch Raupen des Waldbrettspiels sind mit etwas Übung durchaus zu finden, allerdings auch nicht mitten im Winter ( http://www.lepiforum.de/2_forum_2013.pl?page=1;md=read;id=3771 ).

Schöne Grüße
Gabriel

P.S.: Raupen der Ordensbänder lassen sich nachts durchaus in den "unteren Etagen" der Fraßbäume/-büsche leuchten. Schau' in der zur Aufnahme in die Bestimmungshilfe vorgeschlagen nach den einschlägigen Beiträgen von Michael Levin. Im Winter kann man übrigens auch Eier einiger Catocala-Arten gezielt suchen und finden. Am besten klappt das bei C. fraxini.

Beiträge zu diesem Thema

Raupenleuchten - Augenfalter?
Re: Raupenleuchten - Augenfalter?
Re: Raupenleuchten - Augenfalter?