Polyommatus coridon
Lepiforum: Bestimmung
von Schmetterlingen
(Lepidoptera)
und ihren
Praeimaginalstadien
[Home] [Impressum] [Datenschutzerklärung]
Foren: [1: Bestimmungsfragen (Europa)] [2: Alles außer Bestimmungsfragen] [3: Außereuropäische Arten - Non-European Species] [Test]
Archive Forum 2: [#2 (bis 2017)] [#1 (bis 2013)] Archive Forum 1: [#7 (bis April 2019)] [#6 (2016-2018)] [#5 (2012-2016)] [#4 (2010-2012)] [#3 (2007-2010)] [#2 (2006-2007)] [#1 (2002-2006)]
Bild- und Informationssammlungen: [Bestimmungshilfe] [Schütze (1931): Biologie der Kleinschmetterlinge (Online-Neuausgabe)] [Glossar] [FAQ]
Verein: [Lepiforum e.V.] [Chat (nur für Mitglieder)]

[Hinweise zur Forenbenutzung]     [Forum User Instructions]     [Indications pour l'utilisation des forums]     [Indicaciones para el uso de los foros]     [Avvisi per l'utilizzo dei fori]     [Советы по использованию форума]     [Pokyny k použití fóra]     [Általános tudnivalók a fórum használatához]     [Wskazówki korzystania z forum]

Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Malachitgrünes-bronzefarbenes Schauspiel als Opfer (Panolis flammea) *Foto*

Liebe Forum-Besucher,

eine kleine, aus meiner Sicht sehr interessante und „unterhaltsame“ Begebenheit aus dem vergangenen Frühling möchte ich heute schildern.

An jenem Tag spazierte ich ausgiebig durch das NSG Mainzer Sand – es beheimatet alte Binnendünen aus der Zeit kurz nach der letzten Eiszeit, und ist teils ein steppenartiges Biotop, im dem auch wärmeliebende Pflanzen- und Tierarten vorkommen. Als ich, etwas ermüdet von meinem stundenlangen Streunen, mich auf eine willkommene Bank gegenüber dieser Kiefer niederließ – sie war mir wegen des Mistelbefalls aufgefallen ...


(für dieses und alle weiteren Fotos gilt:)
Deutschland, Rheinland-Pfalz, Umgebung Mainz, NSG Mainzer Sand, 26. Mai 2020.

... merkte ich in einiger Entfernung auf dem Boden ein Etwas, aus Malachitgrün und Bronzefarben zusammengesetzt, das sich langsam bewegte…

Der Blick durch das Teleobjektiv zeigte ein bemerkenswertes Schauspiel: Eine bunte Raupe, offenbar unbeweglich – ob nun betäubt oder bereits getötet – wurde von einer Sandwespe zielstrebig über den Boden geschleppt und gewuchtet. Dabei besaß die Raupe deutlich mehr Masse als das superschlanke Insekt.


Also: die Sandwespe trug die Raupe zwischen ihren Beinen bzw. unter ihrem Körper, bzw. schleifte sie über die Bodenoberfläche. Bis zu einem bestimmten Punkt. Dort legte sie ihr Opfer ab, entfernte sich nur wenig …

… fing an zu scharren…

Was auf einen flüchtigen Blick wie ein "kompakter" Boden aussah täuschte. Dies war er nur oberflächlich, dafür aber gekonnt unauffällig, komplett banal, der Umgebung ganz und gar angepasst: die Abdeckung ihres Schlupflochs, ihres Baus, oder wie auch immer dies bezeichnet wird. Denn direkt unter der weggescharrten Oberfläche zeigte sich ein Loch, relativ groß, dessen Lage die Sandweste anders als nach optischen Merkmalen sicher und zielgenau ortete. Sie schlupfte kurz in das Loch hinein, war dann unsichtbar, und kam kurz darauf wieder heraus, so als ob sie erst ihre Wohnung auf den aktuellen Stand inspizierte, oder etwas noch schnell zurecht richtete. Sodann kletterte sie aus dem Loch wieder heraus, steuerte die unbeweglich liegen gebliebene Raupe an, umfasste sie erneut und zog sie nun zum Loch hin.
Am Rande des Loches angekommen ließ die Sandwespe die bunte Raupe los, …

… und stieg rückwärts teils in das Loch hinein, streckte dabei aber die vorderen Beine aus und schnappte sich die Raupe am Kopf. Sie zog und zerrte, und immer mehr glitt die Raupe in das Loch, während die Sandwespe sich offenbar in ihrem Versteck, oder ihrer Vorratskammer, weiter rückwärts bewegte.

Sobald ihr Opfer - genauer: ihr Proviant - sicher verstaut war in der Dunkelheit der Röhre oder unterirdischen Kammer, kletterte die Sandwespe behände heraus, und machte sich mit Scharren daran, den Eingang wieder zu verschließen und zu tarnen. Was ihr nämlich sehr gut gelang, denn bei meiner nächsten Runde in diesem Bereich konnte ich die Stelle nicht mehr ausmachen, an der die Sandwespe das Loch frei- und später wieder zuschaufelte.

Nun stellte sich für mich eine andere Frage: Welche hübsche Raupe hatte denn die Sand-wespe erbeutet? Selten ist eine Raupe so interessant, so bunt gemustert, finde ich. Nach der Suche über Handy, noch am gleichen Ort, stand fest: es war die Raupe der Kieferneule. Der Suchtreffer war glaubwürdig: die große Kiefer stand nur wenige Meter entfernt.

Entweder war die Raupe vom Baum gefallen, oder war vom Baum herabgeklettert, weil sie auf der Suche nach einem Verpuppungsplatz war. Oder die Sandwespe hatte ihr quicklebendiges Opfer auf dem Baum aufgespürt, sie dort betäubt / getötet, um es anschließend vom Ast, vom Stamm, über den Boden, bis zu ihrem Bau zu schleppen. Eine beachtliche Leistung. Und ein normaler Vorgang in der Natur. Einer ist Speise des Anderen…

Viele Grüße
Martine

Beiträge zu diesem Thema

Malachitgrünes-bronzefarbenes Schauspiel als Opfer (Panolis flammea) *Foto* Bestimmungshilfe
Gratulation zu der Beobachtung und der minutiösen Bilddoku! super
wirklich schön dokumentiert! VG Annette *kein Text*