Polyommatus coridon
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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

(6) Coleophora coracipennella *Foto*
Antwort auf: Minierer - Teil 3 ()

Hallo zusammen,

diverse Coleophoriden überwintern als junge Raupe im Sack, an ihre Nahrungspflanze angesponnen, und werden mit dem Blattaustrieb im Frühjahr wieder aktiv.
Mein Beitrag kommt deswegen zur rechten Zeit, falls sich jemand die Suche vorgenommen hat oder auch bei der winterlichen Eier-Suche an Schlehen zufällig über solch klitzekleine Säcke stolpert.

Die Bestimmung ist aber nichts für Nur-Fotografen; der Falter muss erzogen und dann mit größter Wahrscheinlichkeit einer Genitaluntersuchung unterzogen werden, um die Art festzustellen.
Man kann es auch als Überraschungsei betrachten. :)

~ ~ ~

Im März vor zwei Jahren war es bedeutend wärmer als jetzt und die Schlehenknospen schon deutlich geschwollen.
In verschiedenen Astansätzen derselben Pflanze, in geringem Abstand zueinander, entdeckte ich drei circa 2 mm messende Jugendsäcke.


Deutschland, Niedersachsen, Ortsrand Rodenberg, 70 m, Streuobstwiese in Gewässernähe, an Prunus spinosa (Schlehe), 28. Februar - 3. März 2016 (Freilandfotos: Tina Schulz)

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Einer aus der Nähe:

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Da ich am Fundort ein paar blütenknospenlose Jung-Schlehen fand, die bereits im ersten März-Drittel Blätter austrieben, nahm ich die Säcke gleich ins warme Zimmer.
4 - 5 Tage dauerte es, bis die Raupen "aufwachten" und ans Futter gingen.

Sie fingen sogleich damit an, ihre Säcke auszubauen. Zum oralen Ende hin wurde mit Blattscheiben verlängert, die von den Einstiegslöchern ihrer Minen stammten.
Außerdem wurde der Sack ventral längs geöffnet und die beiden Hälften wieder mit Gespinstfäden verbunden - dies wurde wieder und wieder ausgeführt. Bauchseitig entstand so ein „scharfer“ Kiel aus Seide (engl. „gusset“, Zwickel).

Ein noch kaum modifizierter Sack:


[ 20. März 2016 ]

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Dieser ist schon deutlich sichtbar mit den Blattscheiben verlängert worden.


[ 22. März 2016 ]

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Und auf folgendem Bild ist auch der "Seidenzwickel" stark expandiert:


[ 24. März 2016 ]

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Das Befallsbild.


[ 19. & 22. März 2016 ]

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Zwischendurch wurde sich natürlich auch mal gehäutet. Das wird klar, wenn sich die Raupe mitsamt Sack an eine feste Unterlage anspinnt und mehrere Tage nicht vom Fleck rührt.

Hinterher ist dann an Ort und Stelle eine solche "Schüssel" zu sehen, die runde Form ergibt sich aus der Mündung des Sacks. Der pauschale Ausdruck dafür dürfte Häutungspolster sein (ob es möglicherweise einen speziellen Begriff für Coleophoriden gibt, ist mir nicht bekannt).
Im Zentrum befindet sich die abgestreifte Kopfkapsel.


[ 24. März 2016 ]

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Als die Raupen älter wurden, änderte sich ihr Fraßbild zwischenzeitlich radikal. Auf einmal fraßen sie nicht nur Minen, sondern auch mal komplette Löcher ins Blatt.


[ 27. März 2016 ]

Das sollte eigentlich nicht typisch sein, nach dem, was ich im Internet zu dieser Art gefunden habe. Möglicherweise hängt diese von mir beobachtete Ernährungsweise mit der Zucht im Zimmer zusammen..?

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Nun zu den Altsäcken; oben ist ja bereits ein solcher zu sehen.

Irgendwann reicht auch der an allen Ecken und Enden veränderte "Flickenteppich" von Jugendsack nicht mehr aus; die Raupe ist einfach zu groß geworden.
Dann muss ein neuer Sack her (in diesem Fall auch gleichzeitig der letzte). Die Raupen fertigen dazu eine Mine an und schneiden sich das neue Gehäuse daraus aus.

Hier so ein Loch, das übrig bleibt:

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Der Jugendsack ist im Hintergrund schemenhaft zu erkennen. Er verbleibt am Blattrand.


[ 27. März 2016 ]

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Derselbe Sack ein paar Tage später. Das dreiklappige Ende ist immer noch nicht richtig ausgeformt. Aber meine drei Raupen nahmen's da auch nicht ganz so akribisch genau, schade eigentlich.
Deswegen gibt es auch keine weiteren Fotos.


[ 1. April 2016 ]

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Die Falter schlüpften Ende April. Im Foto ein Männchen.


Deutschland, Niedersachsen, Ortsrand Rodenberg, 70 m, Streuobstwiese in Gewässernähe, leg. Jugendsäcke Februar/März 2016 an Prunus spinosa (Schlehe), Falterschlupf 27. April 2016 (cult. & fot.: Tina Schulz), gen. det. Peter Buchner

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Glücklicherweise war unter den beiden Männern auch ein Weibchen dabei. In diesem Fall war das sehr von Vorteil:

"Diese Art und C. prunifoliae sind sehr nahe verwandt. Gut unterscheidbar sind nur die weiblichen Genitalien."
(Peter Buchner per E-Mail)

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Die Bestimmung wurde also durch die Untersuchung des Weibchens mit der nötigen Sicherheit ausgezeichnet.
Dennoch:

"Im Barcode besteht kein Unterschied, und in den männlichen Genitalien hatte ich bisher auch keinen erkannt.
Auf der britischen dissectiongroup-Seite [jetzt mothdissection.co.uk, Anm.] konnte ich aber etwas dazu finden:
Der einzige greifbare Unterschied besteht demnach in der Position der Cornuti in der Vesica. Auch wenn ich annehme,
dass diese Angabe grundsätzlich korrekt ist, ist das ein problematisches Merkmal, da die Vesica beweglich ist,
also auch die daran befestigten Cornuti, und zwar in einem weit größeren Ausmaß als der artunterscheidende
Lageunterscheid der Cornuti. Eine korrekte Bestimmung setzt also voraus, dass sie in der "Ruheposition" sind,
wenn man das Präparat betrachtet - eine ehrlich gesagt unsichere und unbeweisbare Unterstellung."
(Peter Buchner per E-Mail)

.
Ich zeige, da die Sicherheit meines Erachtens ausreichend ist, daher auch das männliche Präparatfoto (präp. & fot. Peter Buchner).

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Den Abschluss bildet eine Ansicht der Schlehenbüsche (leicht rechts der Mitte) im Biotop.


Deutschland, Niedersachsen, Ortsrand Rodenberg, 70 m, Streuobstwiese in Gewässernähe, 28. Februar 2016 (Foto: Tina Schulz)

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Viele Grüße
Tina

Beiträge zu diesem Thema

Minierer - Teil 3
(1a) Coleophora spiraeella *Foto* Bestimmungshilfe
(1b) Coleophora spiraeella *Foto* Bestimmungshilfe
(2) Stigmella pyri *Foto* Bestimmungshilfe
(3) Coleophora argentula auf Tanacetum vulgare *Foto* Bestimmungshilfe
(4) Phyllonorycter medicaginella *Foto* Bestimmungshilfe
(5) Stigmella floslactella *Foto* Bestimmungshilfe
(6) Coleophora coracipennella *Foto* Bestimmungshilfe
Faszinierend super ! Gruß Vaclav *kein Text*
Tolle Doku, meisterhafte Bilder, Gratuliere! LG Helmut *kein Text*
Dafür leg ich doch prompt die "Bild"zeitung wech! VG, BOB *kein Text*
Vaclav, Helmut, Bernd-Otto: herzlichen Dank für euren Zuspruch! *kein Text*
(7) Coleophora hemerobiella *Foto* Bestimmungshilfe
(8) Incurvaria pectinea *Foto* Bestimmungshilfe
(9) Coleophora caespititiella *Foto* Bestimmungshilfe
(9)b-c Coleophora caespititiella *Foto* Bestimmungshilfe
(10) Ectoedemia turbidella *Foto* Bestimmungshilfe
Re: Minierer - Teil 3
Nö, lediglich selektive Wahrnehmung durch Trainingseffekt :) VG, Tina *kein Text*
(11) Phyllonorycter leucographella an Cotoneaster sp. *Foto* Bestimmungshilfe
Re: (11) Phyllonorycter leucographella an Cotoneaster sp.
(12) Ectoedemia atricollis *Foto* Bestimmungshilfe