Polyommatus coridon
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Forum 2: Alles ausser Bestimmungsanfragen

Re: Zum Moselapollo (Parnassius apollo vinningensis)

Hallo Dieter, liebe Forumteilnehmer,

Apollo-Pflegemaßnahmen an der Mosel werden schon seit einigen Jahren punktuell durchgeführt, diese dürften jedoch auch m.E nicht ausreichend sein, um die fortschreitende Sukzession in den aufgelassenen Weinbergen insgesamt aufzuhalten, die Mittel hierzu scheinen begrenzt und es fehlt m.E. auch an der Bereitschaft dazu, die herrliche Mosellandschaft zu erhalten. Ich hoffe, dass das in RLP einmal verstanden wird, dass Besucher der Mosel eine offene felsige Landschaft mit Weinbergen erwarten und nicht am Ende bewaldete Hänge, abgesehen davon, dass es eine so hervorragende Landschaft mit vielen Naturschönheiten bzw. Naturseltenheiten zu erhalten gilt. Viele örtlichen Vertreter (Bürgermeister und Verbandsgemeindebürgermeister) mit denen ich in Kontakt stand, wollen alles Erdenkliche, was in ihrer Macht steht, unternehmen, um die Natur und auch den Apollofalter zu erhalten. Auch die Beauftragten der Landesredierung geben ich viel Mühe zum Schutze der Apollofalter (Projekt nach meinem Kenntnisstand etwa 2014 gestartet), nur sie haben auch nicht alle Mittel und Möglichkeiten, die erforderlich wären. Auch gibt es für die Landschaftspflege in den Weinbergen nur so wenig Geld, dass kaum jemand bereit ist, dafür Landschaftspflege zu betreiben. Der Bürgermeister von Cochem hat mir seinerzeit angeboten, zur Apolloflugzeit an neuralgischen Stellen auf den Moselstraßen Schilder aufzustellen, wonach man wegen des Apollofluges dort langsam fahren sollte. Tote Apollofalter haben wir jedoch seit 2012 kaum noch auf den Straßen gesehen, da es seitdem keinen vergleichbaren regenarmen heißen Frühsommer mehr gab, wonach die Tiere auf die Straße flogen, hinzu kommt, dass die Population auch erheblich geschrumpft ist.
Nachstehend unser Schreiben an die Landesregierung, wonach wir nochmals auf die Situation des Apollofalters hingewiesen haben:

Absender:
ARBEITSGEMEINSCHAFT
RHEINISCH-WESTFÄLISCHER
LEPIDOPTEROLOGEN e.V.
Klaus Hanisch
Nonnenweg 89, 51503 Rösrath
Datum: 28.11.2013

An
Landesregierung Rheinland-Pfalz
Ministerium für Umwelt und Forsten
Rheinland-Pfalz
Kaiser-Friedrich-Str. 1
D-55116 Mainz

Schutzmaßnahmen des Apollofalters in Rheinland-Pfalz

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Moselapollo zählt bekanntlich zu den markantesten Erscheinungen unserer Fauna im Unteren Moseltal.
Dieser schöne Schmetterling hat langfristig nur bei entsprechenden Schutz- und Pflegemaßnahmen seines Lebensraumes eine Überlebenschance. Dazu besteht auch gemäß
Washingtoner Artenschutzübereinkommen und den FFH-Richtlinien eine besondere Verpflichtung für das Land Rheinland-Pfalz.
Aus aktuellem Anlass möchten wir darauf hinweisen, dass die Moselapollo-Population 2012 erheblich eingebrochen ist. An den Flugstellen wurden im Schnitt nur ca. 10 % der Vorjahresindividuen gezählt.
Ein Grund war, dass die Nahrungspflanzen des Falters an den Berghängen aufgrund der Trockenheit in dem heißen Frühsommer 2011 kaum noch Blüten hervorgebracht hatten.
Deshalb suchen die Falter ihre Nahrung, die sie auch zur Eiablage benötigen, auf tiefer gelegenen Wiesen und blütenreichen Stellen; dabei überqueren sie aufgrund der örtlichen Verhältnisse Straßen, Wege und Eisenbahnschienen. Bei diesen Flügen fallen viele Individuen dem Verkehr zum Opfer.
Dieses entspricht den langjährigen Beobachtungen des Verbandsgemeindebürgermeisters a.D. der Verbandsgemeinde Untermosel, Herrn Dötsch, sowie einiger unserer Vereinsmitglieder.
So wurden zuletzt in 2011 Hunderte toter Tiere an den Rändern der Moseluferstraßen vorgefunden. Eines unserer Vereinsmitglieder zählte zur Flugzeit des Moselapollos im Jahre 2011 auf dem
etwa 2 km langen Streckenabschnitt der Moseluferstraße zwischen Ortsausgang Cochem und Ortseingang Klotten an die 200 totgefahrene Apollofalter. Somit wurde ein Großteil, wenn
nicht der größte Teil der Population in diesem Teilbereich vernichtet. Diese Zahlen entsprechen auch früheren Zählungen. So konnte ein ehemaliger Naturschutzbeauftragter auf der
Moselstraße zwischen Winningen und Kobern-Gondorf in einem Jahr über 300 dem Straßenverkehr zum Opfer gefallener Apollofalter feststellen.
Es steht zu befürchten, dass durch diese externen Faktoren die Population über das normale Schwankungsverhalten hinaus unter eine kritische Grenze gerät und damit das Aussterben
dieser Art nicht auszuschließen ist.
Die Landesregierung ist sich der Verantwortung für den Moselapollo bewusst, wie auch in den Ausführungen der Schrift „Apollofalter in Rheinland-Pfalz“ dargestellt ist.
In dem Kapitel „Schutz und Management“ der genannten Schrift wird dabei auf eine mögliche Schutzmaßnahme verwiesen:

„Eine teilweise Entschärfung der Gefährdungssituation könnte gegebenenfalls dadurch erreicht werden, dass gezielt blütenreiche Flächen an den Hängen und in unmittelbarer Nähe der vom
Apollofalter besiedelten Felsfluren geschaffen werden. Dies hätte den Effekt, dass Nahrungsflüge über die Verkehrsflächen hinweg nicht mehr im jetzigen Umfang notwendig wären.“
Wir würden es daher sehr begrüßen, wenn Ihr Vorschlag „dass gezielt blütenreiche Flächen an den Hängen und in unmittelbarer Nähe der vom Apollofalter besiedelten Felsfluren geschaffen
werden“, umgesetzt wird.
Eine weitere Gefahr für den Moselapollo besteht darin, dass viele Flugplätze inzwischen stark verbuschen, so z. B. im Dortebachtal, Fellerbachtal und Ausoniusstein.
Entbuschungsmaßnahmen sind notwendig. Sie dürften dabei nicht nur dem Apollofalter, sondern der gesamten xerothermen Flora und Fauna, die im Unteren Moseltal prägend ist, zu Gute kommen.
In diesem Zusammenhang dürfen wir anmerken, dass durch die fortschreitende Aufgabe der Weinwirtschaft insbesondere in den Steillagen die Flächen verbuschen und sich dort anschließend in eine artenarme Waldgesellschaft umwandeln. Daran ändern auch einzelne stattfindende Pflegemaßnahmen nicht viel. Dieser Zustand ist insbesondere im Unteren Moseltal zu beobachten.
Eine Abstimmung der Flächenentwicklung zwischen öffentlicher Hand und der Weinwirtschaft über die Nutzung der Flächen als Offenlandflächen nützt aus unserer Sicht nicht nur der Flora und Fauna im Unteren Moseltal, sondern trägt auch zum Erhalt der Kulturlandschaft Moseltal bei.
Sind es doch die offenen, felsigen Landschaften, die den Charme und das südliche Flair dieser einzigartigen Mosellandschaft ausmachen. Ihr Erhalt dient auch der Attraktivität für die Touristen.
Wir sind sicher, dass die skizzierten Maßnahmen nicht nur dem Kleinod des Moseltals – dem Moselapollo – sondern der gesamten Moselregion und seinen Menschen zu Gute kommen. An ihrem Zustandekommen mit zu arbeiten, sind wir selbverständlich bereit. In einem Gespräch können wir gern unsere Vorstellungen präzisieren.

Mit freundlichem Gruß
ARBEITSGEMEINSCHAFT
RHEINISCH-WESTFÄLISCHER
LEPIDOPTEROLOGEN e. V.
Dr. Wolfgang Vorbrüggen Klaus Hanisch

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