Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Cremnophila Sedakovella

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Pyralidae (Zünsler)
EU M-EU 05902 Cremnophila sedakovella (EVERSMANN, 1851)

1, ♂: Schweiz, Graubünden, Müstair, 2220 m, 4. August 1997, am Licht, leg. Peter Sonderegger & Rudolf Bryner (Foto: Rudolf Bryner), det. Rudolf Bryner
2: Schweiz, Kanton Graubünden, Münstertal, vic. Umbrail Pass, lichter Wald oberhalb vom Bach Muranzina, ca. 2000 m, Tagfund, 14. Juli 2018 (Freilandfoto: Felix Riegel), det. Daniel Bartsch [Forum]



Diagnose

Männchen

1, ♂: Italien, Südtirol, Vintschgau, Mals Schliniger Tal, 2000 m, 10. Juli 2014, leg. & det. Sven Wauer (Foto: Friedmar Graf) [Forum]


Genitalien

Männchen

1, ♂: Daten siehe ♂ Diagnosebild 1 (Präparation & Foto: Friedmar Graf) [Forum]


Erstbeschreibung

EVERSMANN (1851: 644) [nach Copyright-freiem Scan auf www.biodiversitylibrary.org]


Beschreibung als Homoeosoma flaviciliella

HERRICH-SCHÄFFER ([1855]: Nachtraege zum vierten Band 148) [nach Copyright-freiem Scan auf www.biodiversitylibrary.org]

Darin indizierte Abbildung

HERRICH-SCHÄFFER ([1852]: pl. Pyralidides 21, fig. 144) [reproduziert von Jürgen Rodeland nach Band im Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe]



Biologie

Nahrung der Raupe

SCHMID (2019: 736-737) leistete Pionierarbeit und klärte die zuvor unbekannte Biologie der Raupe dieser Art auf. Er bildet die Raupe ab und erläutert dazu: "Die Raupe ist in einer ziemlich dichten Gespinströhre in zusammengesponnenen Blättern und Blüten von Südlichem Tragant (Astragalus australis) (Graubünden) (1-5) sowie von Tiroler Tragant (Astragalus leontinus) (Wallis) gefunden worden, lebt vermutlich aber auch an anderen Astragalus-Arten. Sie überwintert halb erwachsen".



Weitere Informationen

Etymologie (Namenserklärung)

„Sedakow.“
SPULER 2 (1910: 212L)

flaviciliella: „flavus gelb, cilia Franse.“
SPULER 2 (1910: 213L)


Andere Kombinationen

Synonyme


Taxonomie und Nomenklatur

In Mitteleuropa wurde das Taxon bis jüngst unter dem Artnamen Cremnophila flaviciliella geführt (so auch beim Erstfund für Deutschland durch WOLF (2009), bei GAEDIKE (2010) und beim SWISSLEPTEAM (2010)). Nach LERAUT (2002) ist dieses Taxon aber Synonym zum 4 Jahre älteren Namen Cremnophila sedakovella.


Faunistik

WOLF (2009) meldet den Erstfund für Deutschland in den Allgäuer Hochalpen. GAEDIKE (2010) fasst zusammen: "1 Weibchen, Sperrbachtal südlich Oberstdorf, ca. 1400 m, 3. August 2008, leg. W. WOLF. Wahrscheinlich bedingt durch die Wetterlage (Kaltlufteinbruch), wurde die ansonsten in größeren Höhen nachgewiesene Art hier gefunden." Der Fund wurde im Lepiforum als Einzelfund für Deutschland geführt, da die Fundumstände eher gegen Bodenständigkeit sprachen. Davon abweichend wurde die Art in GAEDIKE et al. (2017) unter Bezugnahme auf den gleichen Fund mit Vollsymbol für Bayern und Deutschland geführt - was ich hier zunächst weiter ablehnte. Ich vermerkte aber: "Ganz auszuschließen ist Bodenständigkeit hier aber auch nicht, denn eine der von in der Schweiz ermittelten Raupennahrungspflanzen - Astragalus australis - kommt auch in Deutschland vor; sie gilt hier zwar als "vom Aussterben bedroht", aber die wenigen Vorkommen der Pflanze befinden sich alle in den Alpen zwischen 1450 und 2450 m, und zwar konzentriert in den Nacktriedrasen (Elynetum) um Oberstdorf, also in etwa dort wo auch der Falter gefunden wurde. Gezielte Nachsuche nach der Raupe wäre hier sehr zu empfehlen." Es folgte kein Raupenfund, aber ein zweiter Falterfund, über den KARLE-FENDT in FUCHS et al. (2018: 47) berichtet: "Lkr. Oberallgäu, NSG Allgäuer Hochalpen, Bockkar, 2240 m, Lf. 30.vii.2018, 1 ♂ leg. et det. A. KARLE-FENDT, conf. W. WOLF." Geschlossen wurde daraus: "Der zweite Fund dieser Art in den Allgäuer Hochalpen (10 Jahre nach dem Erstnachweis, s. WOLF, 2009) dürfte nun das Heimatrecht dieser Art in Bayern, und damit Deutschland, bestätigen." Alfred Karle-Fendt (1.9.2020 per e-Mail an E.Rennwald) erläuterte dazu noch: "Nachdem Jürg Schmid die Fortpflanzungsbiologie geklärt hat, gehe ich von Bodenständigkeit der Art aus. Astralagus australis ist im Bereich des Fundpunktes wie in den gesamten Allgäuer Alpen bei entsprechenden Standortbedingungen verbreitet [...]. Allerdings ist der Nachweis von C. sedakovella unter den gegebenen Bedingungen (mind. 1200 Höhenmeter Anstieg, kurze Flugzeit etc.) einfach Glücksache." Diesen Folgerungen schließe ich mich an, so dass die Art jetzt auch im Lepiforum Vollsymbol für das Vorkommen in Deutschland erhält.

In Österreich ist die Art auf die Hochlagen zwischen ca. 1750 und 2300 m und die Bundesländer Tirol, Kärnten und Salzburg beschränkt und auch dort allgemein selten.

SWISSLEPTEAM (2010) meldet die Art aus der Schweiz von den Nordalpen, dem Wallis, Graubünden und erstmals auch aus der Südschweiz.

(Autor: Erwin Rennwald)


Publikationsjahr der Beschreibung als Homoeosoma flaviciliella

Wir folgen den detaillierten Datierungs-Angaben von HEPPNER (1982). Obwohl die Tafel Pyralidides 21 bereits 1852 erschienen ist, darf sie nach den Bestimmungen des ICZN nicht als Originalbeschreibung dieses Taxons gelten, denn die Nomenklatur auf dieser Tafel ist nicht binominal.


Literatur


Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Pyralidae (Zünsler)
EU M-EU 05902 Cremnophila sedakovella (EVERSMANN, 1851) art-mitteleuropa

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Letzte Änderung am September 3, 2020 0:19 von Erwin Rennwald
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