Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Eucosma Hohenwartiana

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Tortricidae (Wickler, Blattroller)
EU M-EU 04935 Eucosma hohenwartiana ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775)

1-2: Österreich, Niederösterreich, Schwarzau/Stf., (Halb-)Trockenrasen, Hecken, Flussbett, Au-Rand, 330 m, 12. Juni 2003 (Fotos: Peter Buchner), det. Peter Buchner [Anmerkung zur Bestimmung: Abgrenzung gegenüber Eucosma fulvana unsicher!]
3: Russland, Oblast Moskau, Bezirk Orechowo-Sujewo, Dorf Topolinyy, 118 m, Lichtfang, 19. September 2011 (fot.: Andrey Ponomarev), det. Vlad Proklov [Forum] [Anmerkung zur Bestimmung: Abgrenzung gegenüber Eucosma fulvana unsicher!]
4, 5 & 6: Deutschland, Bayern, Oberpfälzer Jura, Laaber, Mager-/Halbtrockenrasen, auf Kalk, 400 m, Tagfund, 27. Juni 2011, 25. Juli 2012 & 30. Juni 2010 (fot.: Josef Schmucker), det. Andreas Segerer [Forum] [Anmerkung zur Bestimmung: Vom Lebensraum her wäre hier eher Eucosma fulvana zu erwarten. Da A. Segerer Eucosma fulvana als eigenständige Art ablehnt und darin nur eine ökologische Form der E. hohenwarthiana sieht, ist seine Zuordnung aber nachvollziehbar.]
7-8, ♂: Österreich, Steiermark, Graz, Mariatrost, Hauenstein (wärmebegünstigte, trockene Steinbruchumgebung), ca. 560 m, Wiese, Tagfang, 23. Juni 2018 (leg., det. & fot.: Horst Pichler) [Forum] [Anmerkung zur Bestimmung: Abgrenzung gegenüber Eucosma fulvana unsicher!]

Anmerkung zur Determination der Falterbilder 1-8: Möglicherweise handelt es sich (teilweise) nicht um E. hohenwartiana, sondern um E. fulvana. Barcoding und auch das Männchen-Genital scheinen hier keine Unterschiede zu liefern, so dass die Trennung rein auf kleinen Unterschieden der Weibchen-Genitale beruht. Allerdings ist E. fulvana als eigenständige Art umstritten und vermutlich doch eher als Synonym zu E. hohenwartiana zu stellen. Unklar ist, ob die beiden Arten (oder ökologische Rassen nur einer Art) sich hinsichtlich ihrer Raupennahrungspflanzen konstant unterscheiden.



Diagnose

Weibchen

1, ♀: Deutschland, Baden-Württemberg, 78176 Blumberg, Ortsrandlage, Südhang, in Waldnähe (Buchen-Mischwald, Waldrand mit anschließendem Trespen-Halbtrockenrasen auf Kalk), 720 m, 27. Juni 2012, am Licht (leg., gen. det. & Foto: Hans-Peter Deuring) [Forum]


Genitalien

Männchen

1: Präparat eines nicht abgebildeten ♂: Österreich, Niederösterreich, Bisamberg, 27. Juni 2005, leg. Oliver Rist; Präparation, det. durch GU & Mikro-Foto: Peter Buchner [Anmerkung zur Bestimmung: Abgrenzung gegenüber Eucosma fulvana unsicher!]


Weibchen

1-2, ♀: Deutschland, Baden-Württemberg, 78176 Blumberg, Ortsrandlage, Südhang, in Waldnähe (Buchen-Mischwald, Waldrand mit anschließendem Trespen-Halbtrockenrasen auf Kalk), 720 m, 27. Juni 2012, am Licht (leg., gen. det. & Foto: Hans-Peter Deuring) [Forum]



Biologie

Habitat

1: Deutschland, Bayern, Oberpfälzer Jura, Laaber, Mager-/Halbtrockenrasen, auf Kalk, 400 m, 18. Juli 2007 (fot.: Josef Schmucker) [Forum] [Anmerkung zur Bestimmung: Abgrenzung gegenüber Eucosma fulvana unsicher!]


Nahrung der Raupe

AGASSIZ & LANGMAID (2004) sind überzeugt, dass sich Eucosma hohenwartiana, E. fulvana und Eucosma parvulana in England anhand der Nahrungspflanzen ihrer Raupen trennen lassen: Centaurea nigra (Schwarze Flockenblume) für E. hohenwarthiana, Centaurea scabiosa (Skabiosen-Flockenblume) für E. fulvana und Serratula tinctoria (Färberscharte) für E. parvulana. Da die drei Pflanzen sich hinsichtlich ihrer Standortansprüche an Feuchtigkeit und Basengehalt (Kalk) stark unterscheiden, wachsen sie kaum einmal nahe beisammen, so dass auch die zugehörigen Falter nicht gemeinsam auftreten sollten.

Während das in England noch überschaubar zu sein scheint, gilt das für Festland-Europa nicht mehr: Hier ist über die Raupennahrung kaum etwas bekannt, es werden aber weitere Nahrungspflanzen auch anderer Gattungen genannt. SCHÜTZE (1931) etwa fasst zur Raupe von "Epiblema fulvana Stephens" zusammen: "In Blütenköpfen von Centaurea jacea, Centaurea scabiosa, Centaurea nigra, Cirsium lanceolatum, Picris hieracioides, wo sie mit der verblühten Blumenröhre aus dem Hüllkelch herausgezogen werden kann." Und zu "Epiblema scopoliana Haworth (hohenwarthiana Guenée)" ist zu lesen: "In Compositenblüten wie Carduus, Cirsium, Picris, Centaurea und so weiter, überwintert (Disqué). Mittel- und Süd-Europa." D.h., entweder die Unterschiede hinsichtlich der Raupennahrung existieren nicht, oder aber es wurde bei der Bestimmung bunt gemixt.
Ganz so einfach wie von AGASSIZ & LANGMAID (2004) in England dargestellt scheint es hier jedenfalls nicht zu sein. So fand H.-P. Deuring in der Ortsrandlage von Blumberg (Baden-Württemberg) mit nur wenigen Tagen Abstand Weibchen beider Genitalformen (oder Arten) am Rande von Trespen-Halbtrockenrasen auf Kalk. Vor diesem Hintergrund bleibt schon einmal unklar, ob Centaurea jacea überhaupt Nahrungspflanze einer der beiden erstgenannten Arten ist und erst Recht, ob sich die Angaben zu Carduus sp. und Cirsium vulgare (= Cirsium lanceolatum) tatsächlich auf eine der drei Arten beziehen. Vermutlich ganz auf Verwechslung beruhen hingegen die Angaben zu Picris hieracioides.

Hier ist noch viel züchterische Fleißarbeit nötig. Sollte es sich zeigen, dass die unterschiedlichen Weibchen-Genitale tatsächlich mit unterschiedlichen Raupen-Nahrungspflanzen gekoppelt sind, wäre das ein starkes Indiz für getrennte Arten - und umgekehrt dagegen.

(Autor: Erwin Rennwald)



Weitere Informationen

Abweichende Schreibweisen

Andere Kombinationen

Synonyme


Taxonomie

Die auch aus Deutschland genannte Eucosma jaceana wird heute allgemein als Synonym zu Eucosma hohenwartiana geführt, wobei hier ziemlich unklar bleibt, wie hier Eucosma fulvana ausgeschlossen werden kann.

AGASSIZ & LANGMAID (2004) fassen ihren Artikel zusammen: "Die Arten der Eucosma hohenwartiana Gruppe werden revidiert und zwei Taxa von unsicherem Status werden auf Grund konstanter Unterschiede in der Struktur des Ovipositors der Weibchen von E. hohenwartiana ([Denis & Schiffermüller], 1775) getrennt und zu vollen Arten erhoben: E. fulvana (Stephens, 1834) sp. rev. und E. parvulana (Wilkinson, 1859) sp. rev. [= scutana (Constant, 1893) syn. n.]."

HUEMER (2013) ist nicht überzeugt von der Trennung in verschiedene Arten: "Die durch AGASSIZ & LANGMAID (2004) vorgenommene Aufspaltung von Eucosma fulvana und E. hohenwartiana basiert auf geringfügigen phänotypischen und genitalmorphologischen Differenzen, deren Zuverlässigkeit jedoch an einer größeren Probe zu bestätigen wäre, sowie auf unterschiedlichen Raupenfraßpflanzen. Nach heutigem Kenntnisstand unterscheiden sich die Taxa im DNA Barcode nicht."
Auch HASLBERGER & SEGERER (2016) äußern große Bedenken bezüglich der Abtrennung von E. fulvana. Sie stellen fest: "Artstatus nach unserer Meinung noch nicht ausreichend belegt. [...], wir sehen darin eher eine ökologische Form von E. hohenwartiana. DNA-Barcodes bayerischer Stücke von E. hohenwartiana und E. fulvana nach eigenen Untersuchungen identisch und zur Abgrenzung unbrauchbar; dies ist zwar kein Beweis der Konspezifität, aber doch ein deutlicher Hinweis."

(Autor: Erwin Rennwald)


Literatur


Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Tortricidae (Wickler, Blattroller)
EU M-EU 04935 Eucosma hohenwartiana ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) art-mitteleuropa

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Letzte Änderung am Oktober 21, 2019 8:30 von Erwin Rennwald
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