Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Helcystogramma Rufescens

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Gelechiidae (Palpenmotten)
EU M-EU 03870 Helcystogramma rufescens (HAWORTH, 1828)

1-2: Österreich, Niederösterreich, Gutenstein, Feuchtwiesen, am Licht, 9. Juli 2006 (Fotos: Peter Buchner), det. Peter Buchner
3: Deutschland, Baden-Württemberg, Söllingen, Baden-Airpark, ehem. Munitionsdepot (Lichtfalle: A3_Mitte), 20. Mai 2007 (Foto: Dietmar Laux), det. Dietmar Laux, conf. Helmut Kolbeck [Forum]
4-5: Deutschland, Bayern, Bayerischer Wald, Furth im Wald, 7. Juni 2008 (Studiofotos: Ingrid Altmann), det. Helmut Kolbeck [Forum]
6-7: Deutschland, Thüringen, Jena-Göschwitz, Langtal, ca. 330 m, Raupenfund 17. Juni 2012, e.l. 5. Juli 2012 (leg., cult., det. & Fotos: Heidrun Melzer)
8: Deutschland, Niedersachsen, Rodenberg, Garten, 90 m, 21. Juli 2016, am Schwarzlicht (det. & fot.: Tina Schulz)
9-10: Deutschland, Niedersachsen, Landkreis Hameln-Pyrmont, Bad Münder am Deister, Stadtteil Nienstedt, Nähe Nienstedter Pass, 330 m, Waldweg (Bergahorn-Buchenwald), Raupe leg. 5. Juni 2017 von Gras, Falter-Schlupf 28. Juni 2017 (cult., det. & fot.: Tina Schulz)


Raupe

1-2: Deutschland, Thüringen, Jena-Göschwitz, Langtal, ca. 330 m, 17. Juni 2012, Weiterzucht mit Hartgras (leg., cult., det. & Fotos: Heidrun Melzer)
3-4, in Blattrolle von unbekanntem Süßgras: Deutschland, Niedersachsen, Landkreis Hameln-Pyrmont, Bad Münder am Deister, Stadtteil Nienstedt, Nähe Nienstedter Pass, 330 m, Waldweg (Bergahorn-Buchenwald), 330 m, 5. Juni 2017 (det. nach Falter-Schlupf & manipulierte Freilandfotos: Tina Schulz)


Fraßspuren und Befallsbild

1-2, Blattrollen an unbekanntem Süßgras [[2] = verlassen, [1] = bewohnte Blattrolle, Raupe im unteren Drittel als Schatten zu erahnen]: Deutschland, Niedersachsen, Landkreis Hameln-Pyrmont, Bad Münder am Deister, Stadtteil Nienstedt, Nähe Nienstedter Pass, 330 m, Waldweg (Bergahorn-Buchenwald), 5. Juni 2017 (det. nach Falter-Schlupf & Freilandfotos: Tina Schulz)


Puppe

1-3 (ca. 8 mm): Deutschland, Thüringen, Jena-Göschwitz, Langtal, ca. 330 m, Raupenfund 17. Juni 2012 (leg., cult., det. & Fotos am 30. Juni 2012: Heidrun Melzer)



Diagnose

1, ♂: Finnland, Päijät-Häme, Hartola, 24. Juli 2004 (fot: R. Siloaho), leg. Jukka Tabell

STAINTON (1865: pl. I fig. 2, del. & sc. E. W. ROBINSON) [nach Copyright-freien Scans auf www.biodiversitylibrary.org] [Digitalisat des dazugehörigen Textes auf www.archive.org]


Erstbeschreibung

HAWORTH (1828: 555) [nach Digitalisat im Projekt „Gallica“ der Bibliothèque nationale de France]



Biologie

Habitat

1, Fundort einer Raupe: Deutschland, Niedersachsen, Landkreis Hameln-Pyrmont, Bad Münder am Deister, Stadtteil Nienstedt, Nähe Nienstedter Pass, 330 m, Waldweg (Bergahorn-Buchenwald), 5. Juni 2017 (Foto: Tina Schulz)


Nahrung der Raupe

STAINTON (1865) studierte die Biologie dieser Art in England sehr genau - seine vorbildliche Beschreibung sei hier in größeren Teilen zitiert: "Wenn man zu Ende Mai oder Anfang Juni an Hecken oder Gräben entlang geht, wo die Gräser lang und einzeln aufgeschossen sind, so kann man an manchen Grasblättern auffällige weiße Stellen bemerken, die sich einen Zoll weit oder darüber ausdehnen. Bei genauerer Untersuchung findet man, dass an einem solchen Blatte die beiden Ränder zusammengezogen sind und eine mehrere Zoll lange Röhre bilden. [...]" Und weiter: "Die Raupe nährt sich von den Blättern der Poa trivialis, des Arrhenatherum avenaceum und mehrerer anderer Gräser. Sie zieht die Blätter zu Röhren zusammen, indem sie deren Ränder genau an einander befestigt, und frisst den mittleren Theil der Röhre bis zur halben Dicke des Blattes aus, wodurch die grüne Farbe verschwindet, und ein weisser, einen Zoll und darüber langer Ring entsteht. Hierauf begiebt sie sich zu einem andern Grasblatte, um es mit diesem ebenso zu machen. So pflegt sie eine ansehnliche Zahl von Blättern zu misshandeln. Ist sie erwachsen, so verpuppt sie sich bisweilen in einer Röhre von der beschriebenen Beschaffenheit; doch nicht selten biegt sie die Spitze eines Grasblattes um, baut so eine kürzere und gedrungenere Wohnung und verpuppt sich darin. [...] Die Raupe fängt schon vor Ende August zu fressen an, ist aber erst gegen Ende Mai oder Anfang Juni erwachsen."

Bei SCHÜTZE (1931) ist zu lesen: "Die bunte Raupe in röhrenförmig versponnenen Blättern von Poa trivialis, Avena elatior. Verwandlung in einer neu angelegten Röhre (Sorhagen). Raupe rollt das Blatt eines schilfartigen Grases spiralförmig zusammen zu einer hohlen Röhre, in der sie nur die oberen Fleischteile abnagt, so dass das Blatt an dieser Stelle verwelkt und klarer durchsichtig wird. Sie ist sehr lebhaft und kräuselt und schlängelt sich bei Berührung schnell vorwärts (Grabow).

ELSNER et al. (1999) erwähnt neben den beiden schon lange bekannten Nahrungspflanzen noch Dactylis glomerata. Zu Habitat und Verbreitung ist zu lesen: "Waldlichtungen und -ränder, mesophile bis hygrophile feuchte Wiesen, Straßenböschungen Kulturland" und " Im gesamten Mitteleuropa verbreitet und häufig [...]". Demnach wäre zu erwarten, dass noch weitere Süßgras-Arten eine Rolle spielen.

Bei [ukmoths] ist zu lesen: "The larvae overwinter on a number of grasses, especially wood small-reed (Calamagrostis epigejos) and false brome (B. sylvaticum)." Dies scheint auf Freiland-Beobachtungen in Großbritannien zu beruhen.

Etwas unklar ist mir das Zustandekommen der Liste der "Primary foodplants" bei [lepidoptera.eu]: "Brachypodium sylvaticum, Brachypodium, Dactylis glomerata, Phalaris arundinacea, Calamagrostis arundinacea, Calamagrostis epigejos". Da hier auch Raupenfotos aus Polen gezeigt werden, dürften die beiden "neuen" Arten (Phalaris arundinacea und Calamagrostis arundinacea) sich auf Funde von dort beziehen.

Die Quelle zum durch das Internet geisternden Nickenden Perlgras ist mir nicht bekannt - schon rein physiognomisch fällt die Art aus dem Rahmen, so das sich hier Fragen zu einer möglichen Eignung ergeben.

Leider hat uns STAINTON (1865) an keiner Stelle verraten, was bei ihm konkret mit "und mehrerer anderer Gräser" gemeint war. Und auch bei SCHÜTZE (1931) ist kein Name für das "schilfartige Gras" zu finden. Hinsichtlich der tatsächlich genutzten Gräser und ihrer relativen Bedeutung besteht also noch erheblicher Forschungsbedarf. Und auch die Frage nach möglichen Mahdterminen scheint noch keineswegs abschließend geklärt zu sein.

(Autor: Erwin Rennwald)



Weitere Informationen

Andere Kombinationen

Synonyme


Literatur


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Letzte Änderung am November 10, 2017 22:02 von Tina Schulz
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