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[weitere Beiträge] Was bieten Schmetterlingsgärten? Beitrag von Dr. Karl-Geert Malle, 11. Mai 2005 Nur stiefmütterlich ist die gemäßigte Klimazone mit Tagfaltern ausgestattet. Gibt es auf der Erde rund 20.000 Arten, so werden für Europa und Nordafrika zusammen etwa 500 Arten beschrieben, von denen man weniger als 150 Arten tatsächlich auch in Deutschland zu Gesicht bekommt. Hierzulande drängen natürlich auch die immer dichtere Besiedlung, die immer intensivere Bodennutzung und der Gebrauch von Insektiziden die Lebensräume der Schmetterlinge ständig weiter zurück. Über die Hälfte der heimischen Arten gilt als bedroht, viele sind selten geworden oder werden in jüngster Zeit gar nicht mehr beobachtet. Allerdings unterliegt das Auftreten, hauptsächlich witterungsbedingt, extremen Schwankungen, so dass man mit vorschnellen Urteilen über das Aussterben zurückhaltend sein sollte. Doch, alles in allem es gibt nur in den kurzen Sommermonaten relativ wenige Schmetterlingsarten zu sehen, viele sind selten, über die Hälfte wie Bläulinge und Dickkopffalter mit geringerer Spannweite als 2,5 cm, auch noch klein und deshalb leicht zu übersehen. Übler als wir sind die Engländer dran, deren Sommer noch kürzer und unerfreulicher sind, aber sie hatten einmal Kolonien. So wurde 1977 auf der Insel, genauer gesagt auf der Insel Guernsey, die Idee geboren, Eier, Raupen oder Puppen großer auffälliger Schmetterlinge von Übersee zu importieren, hier weiter zu züchten und in eigenen Schmetterlingshäusern gegen Entgeld zu zeigen. Wie tropische Fische auch, sind tropische Falter häufig leichter zu züchten und zu halten als ihre einheimischen Verwandten, oft leben sie auch länger. Man kann aus der Vielzahl der Arten solche wählen, die unkompliziert zu züchten sind, wegen ihrer Größe und Schönheit ins Auge fallen und nach Möglichkeit in Ruhestellung die Oberseite der Flügel zeigen. Schmetterlingsfarmen gibt es mittlerweile längst auch in den Herkunftsländern der Falter. Das schafft einige zusätzliche Arbeitsplätze und verringert den unkontrollierten Fang wilder Tiere zur Herstellung von Andenken. Die Puppen werden gehandelt und erzielen Preise von 1 bis über 20 Euro. Per Luftfracht erreichen sie die Empfänger, bevor der Schmetterling schlüpfen kann. Jeder Interessierte kann sich solche Puppen schicken lassen (Preisliste) und dann das Wunder des Ausschlüpfens und der Ausbildung zum fertigen Falter im eigenen Wintergarten beobachten. Nur in die Natur darf er die Schmetterlinge anschließend keinesfalls entlassen, davor haben die Behörden eine Genehmigung gesetzt, die vernünftigerweise nicht erteilt wird. Beim Schmetterlingshaus handelt es sich um ein bei tropischem Klima gehaltenes Gewächshaus, mancherorts wird die Raumluft zusätzlich befeuchtet. Üppig mit tropischen Gewächsen bepflanzt, werden häufig auch blühende Orchideen gezeigt. Oft ist auch ein kleiner Teich vorhanden, der mit Fischen besetzt ist. Am Boden frei laufende Zwergwachteln sollen Schädlinge fernhalten. Verschiedene blühende Pflanzen (z. B. Lantana camara) bieten Nektar an, zusätzlich gibt es Futterplätze mit überreifen saftigen Früchten und mit Kapillaren, die Zugang zu Nährflüssigkeit bieten. Für deren Zusammensetzung auf Honigbasis bis hin zum Südweinzusatz hat jeder ein Spezialrezept. Meist bietet man den Faltern auch die Futterpflanze ihrer Raupen an und versucht damit, bei den entsprechenden Arten zu einer eigenen Nachzucht zu kommen. So fehlt in kaum einem Schmetterlingshaus die Bananenstaude. Einer Reihe von Arten aus der Familie Brassolidae dient das Bananenblatt als Raupennahrung. Verfolgt man nur die Fraßspuren bis hin zur Mittelrippe des Blattes auf der Unterseite, so findet man leicht die großen dunkelbraunen Raupen. Die Schmetterlinge sind sehr groß und auffällig gezeichnet. Je größer allerdings die eigene Nachzucht, desto eher braucht das Schmetterlingshaus weitere Gewächshäuser, in denen sich die abgefressenen Pflanzen regenerieren können. Die Idee erwies sich als erfolgreich. Heute gibt es Schmetterlingsparks einmal bei den Zuchtfarmen in den Heimatländern der Falter, z. B. Malaysia, Taiwan, Kenia, Madagaskar, Costa Rica, Nigeria, Thailand, Philippinen, Indonesien, vor allem aber in vielen Industrieländern, in den USA, Großbritannien, Australien, Spanien, Dänemark, Schweden, Österreich, Deutschland. Mittlerweile fällt es schwer eine Zahl anzugeben, eine unvollständige Aufzählung (The Butterfly Web Site) nennt Parks in 36 Ländern, die meisten in den USA. Der weltweit größte Park soll der Niagara Parks Commission Garden sein, in Europa ist es vermutlich der Park in Stratford on Avon. In Deutschland haben die Fürsten Bismarck und Sayn sowie der Graf Bernadotte in ihren Schlossparks auch Schmetterlingshäuser eingerichtet. Bei dem Besucheransturm auf der Insel Mainau ist allerdings eine ruhige Betrachtung der Falter nur selten möglich. Besonders artenreich ist der Alaris-Park in Buchholz bei Hamburg, der auch andere Parks mit Schmetterlingen versorgt; insgesamt gibt es inzwischen 12 größere Einrichtungen in Deutschland. Hierzulande ist die Zahl der zu beobachtenden Falter und ihre Artenvielfalt, wie das Zuschauerinteresse auch, im Sommer größer als im Winter; die Mehrzahl der Parks hat so im Winter geschlossen. Beim Besuch verschiedener Schmetterlingshäuser stellt man fest, dass weltweit weitgehend die gleichen (im Handel befindlichen) Falter gezeigt werden, jeweils gleichzeitig etwa 15-40 Arten. Bei zahlreichen Besuchen konnte ich insgesamt rund 150 Arten beobachten. Das Schwergewicht liegt naturgemäß bei den farbenprächtigen großen Arten. Ritterfalter (Papilionidae)
Als die prächtigsten gelten allgemein die Falter aus der Familie der Ritter (Papilionidae), sie machten rund ein Drittel der identifizierten Arten aus. Ein Musterbeispiel für Geschlechtsdimorphismus ist der afrikanische Papilio dardanus. Man unterstellt, die Weibchen hätten sich mithilfe dieser Mimikry besser vor Fressfeinden schützen können, indem sie ekelerregenden anderen Schmetterlingen ähnlich sehen (Batessche Mimikry).
Mit etwas Glück bekommt man auch die größten und schönsten Papilioniden, die Vogelflügler zu sehen. Manche Arten sollen Spannweiten von bis zu 28 cm erreichen. Manche sind sehr selten und streng geschützt; eben diese stoßen auf besonderes Interesse bei den Sammlern präparierter Schmetterlinge und erzielen im Handel fünfstellige Preise. Edelfalter (Nymphalidae)
Ein weiteres gutes Drittel der gezeigten Arten in Parks gehört zur Familie der Edelfalter (Nymphalidae). Auch in dieser Familie gibt es große auffällige Arten. Einen besonders extremen Sexualdimorphismus zeigt der Falter Hypolymnas misippus. Das Weibchen sieht dem aus einer völlig anderen Familie stammenden Danaus chrysippus derart ähnlich, dass die meisten Besucher den Unterschied dieser Falter kaum wahrnehmen werden. Sie unterscheiden sich in der Fleckenanordnung auf der Oberseite der Hinterflügel und die stärkere Zeichnung der Adern dort. Der chrysippus ist sehr giftig, die Raupe speichert die Pflanzengifte der Futterpflanzen (Asclepiadaceae), die auch den Schmetterling noch vor Fressfeinden schützen; der Vorteil für die misippus-Weibchen liegt auf der Hand. Die Männchen haben keine Ähnlichkeit mit ihnen.
Weitere Tagfalterfamilien Die anderen europäischen Schmetterlingsfamilien, Pieridae, Satyridae, Lycaenidae und Hesperidae sind in den Schmetterlingshäusern nur in Einzelexemplaren vertreten. Sehr selten findet man den hübschen kleinen Bläuling Talicada niseus, häufiger schon den großen Weißling Hebomoia glaucippe. Zu den Augenfaltern gehört Elymnias cumea.
Für den hiesigen Schmetterlingsfreund möglicherweise am interessantesten ist das letzte Drittel der gezeigten Schmetterlinge. Es rekrutiert sich aus Familien, die in Europa nicht vorkommen. Leicht züchten lassen sich besonders die Raupen der Heliconiden, die an verschiedenen Passionsblumen (Passifloraceae) leben. Die mittelamerikanischen Falter leben von Pollen, aus denen sie Aminosäuren gewinnen, die sie bis zu neun Monate am Leben halten können. Die kräftige Farbe soll potentiellen Fraßfeinden ihren aus der Raupenfutterpflanze stammenden Giftgehalt signalisieren. Leicht zu züchten, lange Lebensdauer, kräftige Farben alles Eigenschaften, die sie für Schmetterlingshäuser besonders geeignet machen. Relativ wenige Arten, aber sehr viele Unterarten, dazu leichte Kreuzung mit verwandten Arten, machen die exakte Bestimmung schwierig. Zur gleichen Familie gehören auch wesentlich größere hellbraune Schmetterlinge, die nicht die schmale Flügelform der eigentlichen Heliconiden haben, aus den Gattungen Agraulis, Dryas und Dryadula.
Zur Familie der Danaiden gehört der berühmteste Wanderfalter der Welt, der Monarch (Danaus plexippus). Nicht nur wandert er jährlich von Afrika bis zu den Kanaren und gelegentlich auch zum südlichsten Europa. Aus den Wäldern Nordamerikas brechen sie Jahr für Jahr zu Millionen auf, um über 3200 km nach Süden zu ihren winterlichen Rastplätzen in Texas und vor allem Mexiko zu gelangen. In dichten Trauben hängen sie dann an immer wieder den gleichen Stellen an den dortigen Zypressenbäumen, inzwischen eine Touristenattraktion, um im Frühjahr wieder nach Norden zurück zu ziehen. Steht der Wind günstig, können sie sogar den Atlantik überqueren. Wie beim schon gezeigten Verwandten Danaus chrysippus hat die Raupe ihm das Gift der Futterpflanze (Asclepiadaceae) mitgegeben. Seine grellen Farben sollen dies den Fressfeinden deutlich machen. Zur gleichen Familie gehört auch einer der größten Tagfalter in Schmetterlingshäusern, Idea leucone und Euploea mulciber aus Australien.
Auffällig große Schmetterlinge der Schmetterlingsparks kommen auch aus den Familien Morphidae und Brassolidae, den einen oder anderen Vertreter findet man in jedem Park. Noch zwei Familien sind zu erwähnen.
Was bieten Schmetterlingsgärten? Nach diesem Überblick die Frage: Was bieten Schmetterlingsgärten? Zunächst einmal stellt man fest, Laien erfahren hier häufig erstmals etwas über den komplizierten Lebenszyklus eines Schmetterlings, sehen wenigstens Raupe, Puppe und Schmetterling leibhaftig vor sich und sind überrascht von der Vielfalt an Formen und Farbzusammenstellungen; auch wenn der eilige Beobachter sicherlich manche Falter übersehen wird, weil diese sich entsprechend ihren Lebensgewohnheiten irgendwo im Verborgenen niedergelassen haben. Viele Falter suchen dabei die obere Abgrenzung des Hauses, meist irgendein engmaschiges Netz oder die Glasabdeckung auf. Deshalb ist schon beklagt worden, sie fühlten sich in der Gefangenschaft eingeengt und suchten traurig die Weite. Für eine solche, von Säugetieren in Zoologischen Gärten abgeleitete, Schmetterlingspsychologie gibt es keine Fakten. Schmetterlinge gehören zu den Kaltblütern, deshalb fliegen sie in Richtung des in der Regel von oben kommenden Lichts und damit der Wärme entgegen. In freier Natur kann man jeden Morgen beobachten, wie lange ein Schmetterling erst mit weit geöffneten Flügeln Sonnenwärme tankt, ehe er den ersten Flugversuch wagt. Dem Besucher fällt gelegentlich auch auf, wie träge sich Schmetterlinge in den Gärten verhalten, vor allem wenn man die Größe ihrer Flügel und die manchmal recht kräftigen Körper berücksichtigt. Das hängt primär mit der Temperatur zusammen; wie im Freien werden auch hier die Falter im Laufe eines Tages immer lebhafter, vor allem wenn zusätzlich noch die Sonne scheint. An trüben Wintertagen kann es in Schmetterlingshäusern vorkommen, dass kaum einer der Falter fliegt. Die Trägheit hängt auch wohl mit der Ernährung zusammen. Die angegorenen Früchte und die Spezialnektarmischungen bieten den Faltern offensichtlich manchmal Gelegenheit zu einem kleinen Rausch, dann sieht man sie etwas benommen von der Futterstelle das Weite suchen. In freier Natur sind Schmetterlinge in allen Lebensphasen von einer Vielzahl von Fressfeinden bedroht, deshalb arbeitet die Natur bei der Reproduktion mit einer gewaltigen Überzahl. Im Schutze des Menschen sind die Falter außerordentlich viel sicherer, das macht die Nachzucht leichter. Wenn allerdings gelegentlich gesagt wird, Schmetterlingshäuser leisteten einen Beitrag zum Schutz bedrohter Arten, so ist das wohl nur in Ausnahmefällen gerechtfertigt. Im Normalfall werden leicht zu haltende Arten gezüchtet. Fortsetzung (beobachtete Arten mit vielen weiteren Fotos) folgt in Kürze!
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